Aufarbeitung

„Deutscher Kolonialismus“ im DHM

Historischer Vorstoß: Mit seiner Ausstellung Deutscher Kolonialismus wagt sich das DHM an einen heiklen Teil deutscher Geschichte

Deutsches Historisches Museum
Deutsches Historisches Museum

Übergroßer Kopf, Schnauzbart und eine Paradeuniform: Wer den Eingang zur kürzlich eröffneten Ausstellung „Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart“ im Deutschen Historischen Museum (DHM) passiert, blickt in  das Antlitz sogenannter Kolonfiguren. Es  sind historische Holzskulpturen afrikanischer Künstler, mit denen sie weiße Kolonisatoren, darunter eben auch deutsche Offiziere oder Missionare, portraitiert hatten.
Mit diesen Figuren wollen die Kuratoren der Ausstellung klar ein Zeichen setzen: Ja, wir betrachten die deutsche Kolonialgeschichte nicht nur aus eurozentrischer Sicht.  Tatsächlich hat man sich im DHM alle Mühe gegeben, mit der bereits seit vielen Jahren auf der Agenda stehenden Ausstellung alle hohen, aber eben auch widerstreitenden Erwartungen zu erfüllen: Die des DHM, das sich in einer Chronistenpflicht sieht – und auch die entsprechenden Feldpostkarten, Kanonenkugeln oder Landkarten aus seinen Depots zeigen will. Die der sich zunehmend lauter artikulierenden schwarzen, deutschen Emanzipationsbewegung. Und eben die Erwartungen der einst kolonisierten Völker etwa in Kamerun oder Namibia, erfahrenes Unrecht anerkannt zu bekommen.
Um es gleich zu sagen: Das hoch gesteckte Ziel wird nicht erreicht, kann so gar nicht erreicht werden.  Vor allem die aktuelle Perspektive der einst Kolonisierten bleibt zu blass und fremdgesteuert. Trotzdem ist dies eine äußerst wichtige Schau: Weil die Diskussion um diesen Teil der deutschen Geschichte endlich an zentraler Stelle begonnen hat.

Deutscher Kolonialismus DHM, Unter den Linden 2, Mitte, Mo–So 10–18 Uhr, bis 14.5.17

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