Käthe-Kollwitz-Preis

Die Akademie der Künste ehrt Katharina Sieverding

Es passt perfekt. Zum 150. Geburtstag von Käthe Kollwitz hat die Akademie der Künste den nach der Berliner Bildhauerin benannten Preis an Katharina Sieverding vergeben

Foto: Katharina Sieverding / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Zwar schuf Kollwitz realistische Skulpturen und Grafiken und nutzt Sieverding, 72, in Düsseldorf Film und verschiedene Fototechniken. Doch in ihrer Ausstellung zum Preis, größtenteils von Sieverding persönlich kuratiert, zeigt sich, was die Künstlerinnen teilen: politisches Denken, eine kontinuierliche Befragung als Zeitzeugin in Selbstporträts – und sogar Demut.

Denn anders als in ihrer soeben geendeten aufwändigen Bonner Retrospektive fügen sich Sieverdings Arbeiten in Berlin trotz Großformaten bescheiden in Düttmanns Architektur ein. In zwei klar getrennten Sälen zeigt Sieverding Fotoplakate aus knapp 40 Jahren und in einer Installation Schwarzweißaufnahmen aus ihrem Archiv, die ein Zufallsgenerator auf einer langen Wand kombiniert. Privates und Öffentliches greifen darin rhythmisch ineinander. Von ihrem Lehrer Joseph Beuys, dem Ratinger Hof und Ehemann Klaus Mettig geht es in die Berliner Auguststraße, zur Zeit der Pogrome von Rostock, Hoyerswerda und Mölln. Sieverdings Plakate mit der Aufschrift „Deutschland wird deutscher“, in der Region Stuttgart zensiert, fand dank der Kunst-Werke Platz auf Werbetafeln in Berliner Straßen. In der Akademie nimmt es einen zentralen Platz ein – Sieverding zeigt gegen Berlin, das ihre Professur an der Universität der Künste trotz Studentenprotesten nicht verlängerte, keinen Groll. Schade nur, dass die Berliner, anders als die Bonner Ausstellung, nicht auch Filme oder gar Plakate in der Stadt vorsieht.

Akademie der Künste Hanseatenweg 10, Tiergarten, Di–So 11–19 Uhr, 5/ erm. 3 €, bis 18 Jahre und Di ab 15 Uhr frei, bis 27.8.

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