Ausstellungen

Die Berlin Art Week 2013 unter dem Motto „Painting Forever!“

Katrin Plav?ak: Die Ideen der Frauen, 2013 in der Kunsthalle der Deutschen Bank in Berlin

Der gute, alte Keilrahmen lebt! Wer sich davon überzeugen will, kann jetzt einen Überblick über die aktuelle Malerei in der Stadt gewinnen. „Painting Forever“ lautet das Motto, unter dem vier schwergewichtige Institutionen ihre Beiträge lancieren. Vor allem der Generation 40 plus bietet die Berlin Art Week eine Bühne. Auf ihr trifft man Stars wie Franz Ackermann, aber auch weitere Maler, die von ihrer Kunst leben können. Rund 400 Galerien und gut 6000 „Berliner“ Künstler beweisen es täglich: tot ist die Pinselware lange nicht.
Die Berlin Art Week verbindet, laut Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer, „Kunst und kommerziellen Kunstmarkt“, Messen und Museen. 350.000 Euro spendierte der Senat für die Veranstaltung, die an 21 Orten sechs Tage lang in Atem hält. Auch die Berlinische Galerie macht mit. Franz Ackermann zeigt dort eine Installation aus Wandmalerei, Tafelbildern und Fotografie: „Hügel und Zweifel“. Dem Diskurs über Malerei steht der 50-Jährige skeptisch gegenüber. Das Arbeiten mit Form, Licht und Farbe ist für ihn allerdings aktueller denn je.
Dass Museen sich auf bekanntere Namen kaprizieren, ist klar. Newcomer stöbert man besser in der freien Szene auf. Ein wenig seltsam wirkt nur, dass sich ein Haus wie die Neue Nationalgalerie dezidiert auf Marktlieblinge wie Martin Eder und Anselm Reyle einlässt. Müsste man hier nicht andere Prioritäten setzen als solchen Mainstream-Künstlern eine Plattform zu bieten? Einst unterschied sich ein Museum vom Markt durch Reflexion und Rückgrat. Mit der Schau „BubeDameKönigAss“ adelt es ihn.
Der Auftritt der Boygroup steht auch deshalb im Rampenlicht, weil er bereits zu sehen ist, bevor die Berliner Kunstwoche am 17. September mit einem großen Open-Air-Fest in der Auguststraße startet. Eders in der Maltechnik fast altmeisterliche figürliche Darstellungen und Reyles Flitter-Abstraktionen treffen in der Glashalle des Mies-van-der-Rohe-Baus auf Michael Kunzes rätselhafte Bildwelten und die abstrakten Formfindungen von Thomas Scheibitz, der eine Art Mini-Retrospektive vorstellt. Vier Positionen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und die man von einem Punkt der Halle aus alle auf einmal betrachten kann.
Die Titel gebende Kartenspiel-Metapher verweist auf den spielerischen Ansatz der Schau, eine wilde Mischung aus Abstraktion und Figürlichkeit, Utopie und Alltag, Kitsch und Geometrie, Strategie und Zufall. „Diese vier Künstler zeichnen sich durch eine jahrelange polariesierende Rezeption  aus, wie wir sie bei keinen anderen malerischen Positionen zu finden glaubten“, erläutert Nationalgalerie-Direktor Udo Kittelmann die Auswahl. Eine „Dame“ wie Corinne Wasmuht oder Katharina Grosse fehlt allerdings.
In der Deutschen Bank Kunsthalle sind die Ladies dafür unter sich. Drei Künstlerinnen von heute begegnen dort der 1976 verstorbenen Malerin und Zeichnerin Jeanne Mammen. „To paint is to love again“, diese Einsicht von Henry Miller betont, dass das Potenzial der Malerei noch nicht ausgeschöpft ist. Kuratorin Eva Scharrer interessiert, was auch für die Besucher spannend sein dürfte: Wie reagieren Antje Majewski, Katrin Plavcak und Giovanna Sarti auf Mammens Werke?   
Malerei von Ben Cottrell in den Kunstwerken in BerlinAnregend verspricht auch der Überblick über die aktuelle Szene in den Kunst-Werken zu werden. Arbeiten von 70 vorwiegend in der Hauptstadt arbeitenden Pinselhelden und – heldinnen hat Chefkuratorin Ellen Blumenstein ausgewählt, darunter alte Bekannte wie Andrй Butzer und aufstrebende Maler wie Armin Boehm. Warum aber ist „Malerei für immer“ ein Thema? Weil Totgesagte bekanntlich länger leben?
Ellen Blumenstein glaubt, „dass die wiederholten Diskussionen um das Ende der Malerei vor allem Ausdruck bestimmter Trends sind, auch der Kunstkritik und -theorie“. An den Künstlern und ihrer Motivation gingen solche Debatten weitgehend vorbei. „Es gab immer Künstler, die gemalt haben, und das werden sie auch weiterhin tun. Zurzeit bekommen sie nur besonders viel Aufmerksamkeit dafür.“    
Quasi zum Beweis, wie alterslos Malerei ist, hat sie Bilder von Rainer Fetting, Leiko Ikemura oder der 80-jährigen Dorothy Iannone in die „Keilrahmen“-Schau integriert. Sie zählen zur bunten Truppe in Berlin ansässiger, erfolgreicher Künstler – gestandene Talente, die jung geblieben sind. „Malerei ist eine unersetzliche Art zu kommunizieren, insbesondere über ansonsten kaum greifbare Phänomene“, findet die junge Malerin Clara Brörmann. Wohl wahr, und in diesen Tagen zu erleben.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Mathias Schormann / Katrin Plav?ak Courtesy Galerie Mezzanin, Wien 

BubeDameKönigAss?, Neue Nationalgalerie, ?Potsdamer Straße 50, Tiergarten, ?Di+Mi, Fr 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr, ?Sa+So 11–18 Uhr, bis 24.11.

Keilrahmen, ?KW Institute for Contemporary Art, ?Auguststraße 69, Mitte, ?Mi, Fr–Mo 12–19 Uhr ?Do 12–21 Uhr, 18.9.–10.11.

To paint is to love again?, in der Deutschen Bank Kunsthalle, ?Unter den Linden 13–15, Mitte, ?tgl. 10–20 Uhr, 18.9.–10.11.

Hügel und Zweifel, ?Berlinische Galerie, ?Alte Jakobstraße 124–128, Kreuzberg, ?Mi–Mo 10–18 Uhr, 18.9.–31.3.

Lesen Sie hier: Die „art berlin contemporary“ in der Station-Berlin

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