Ausstellungen

Die besten Ausstellungen für die Zeit zwischen den Jahren

80er Jahre Design im Bröhan Museum Berlin

Für Design-Freaks

„Schrill Bizarr Brachial. Das neue deutsche Design der 80er-Jahre“ im Bröhan-Museum

Die Punk-Ära mit ihrer Aversion gegen alle Hippie-Romantik und ihrer Vorliebe für das brutal Hässliche hat nicht nur die Musik der End-70er- und 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts geprägt. Auch das Design dieser Zeit hatte alles Gefällige oder gar Gemütliche abgelegt. Es entstanden Sessel aus Einkaufswagen, Regale aus Gartenteichen mit Wellblech oder Lampen aus Duschschläuchen. Das wirkt, auch heute, immer noch sehr inspirierend.   

Text: Eva Apraku,

Bild: Martin Adam, Berlin / VG Bild-Kunst, Bonn 2014 für das Werk von Ulrike Holthöfer

Schrill Bizarr Brachial. Schrill Bizarr Brachial. Das Neue Deutsche Design der 80er Jahre, Bröhan-Museum, Schloßstraße 1a, Charlottenburg, ?Di–So 10–18 Uhr, 24. u. 31.12. geschlossen, bis 1.2.2015

Laszlo Moholy-Nagy im Bauhaus Archiv BerlinFür Digital Natives
„Sensing the Future. Lбszlу Moholy-Nagy, die Medien und die Künste“ im Bauhaus-Archiv.

Rasch machte sich Lбszlу Moholy-Nagy im pulsierenden Berlin in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg einen Namen. Mitte der Goldenen Zwanziger avancierte er zum gefeierten Bauhauslehrer. So erkannte er bereits damals die Faszination für die technische Reproduzierbarkeit. Massenmedien wie Magazine, Plakate, Bücher, Radio und Schallplatten gerieten in seinen Fokus. Die sehenswerte Ausstellung im Bauhaus-Archiv wirft die Frage auf, ob Moholy-Nagy als Pionier des Digitalen bezeichnet werden kann.     

Text: Martina Jammers

Bild: National Gallery Washington / VG Bild-Kunst Bonn

Sensing the Future. Lбszlу Moholy-Nagy, die Medien und die Künste, Bauhaus-Archiv, Klingelhöferstraße 14, Tiergarten, ?Mi–Mo 10–17 Uhr, ?23.+24.12. geschlossen, ?25.12. 13–17 Uhr, ?30.12. 10–17 Uhr, bis 2.2.2015


Fotografie im Ersten Weltkrieg im Museum für Fotografie BerlinFür Hobby-Historiker
„Fotografie im ?Ersten Weltkrieg“ im Museum für Fotografie

Die Fotografie-Ausstellung im Kaisersaal gehört definitiv zu den gelungenen Erster-Weltkrieg-Ausstellungen 2014. Wurde an anderer Stelle schon mal der Kostümfundus überstrapaziert, kommt der Besucher hier, in dem großen Saal an der Jebensstraße, der 1917 auch als Lazarett diente, der europäischen Katastrophe wirklich nahe.
Es ist im Ganzen eine Ausstellung, die die Balance zwischen Sichtbarmachen des Grauens und nötigem Abstand zum Verarbeiten des gezeigten Leids hält. Sichtbar werden Elend und Zerstörung zum Beispiel mittels 3D-Aufnahmen, welche die Distanz des Betrachters zu den Kriegsgräueln kurz aufhebt.
Eingefangen werden Besucher durch die klare Gestaltung der restlichen Ausstellung, in der die Fotografie ihre damals bereits erstaunliche technische Bandbreite zeigt – offizielle Luftbilder, Panoramen, Dokumentationsbilder, Propagandabilder und inoffizielle Bilder aus Kriegstagebüchern oder Briefen stehen gleichwertig nebeneinander, korrespondieren oft sogar miteinander und zeigen dem Besucher so neben neuen Fotografie-Techniken auch das ganze Spektrum des Krieges – von der Hysterie zu Beginn 1914 über die Durchhaltepropaganda bis zur bitteren Wahrheit auf den Schlachtfeldern.    

Text: Iris Braun

Bild: Bibliothek für Zeitgeschichte, Stuttgart

Fotografie im Ersten Weltkrieg, Museum für Fotografie, Jebensstraße 2, Charlottenburg, Di–Fr 10–18 Uhr, Sa+So 11–18 Uhr,
24. u. 31.12. geschlossen, 25.+26.12. 11–18 Uhr, 1.1.2015 12–18 Uhr, ?bis 22.2.2015


Pasolini Roma im Martin-Gropius-Bau BerlinFür Filmfans
„Pasolini Roma“ im Martin-Gropius Bau

Selten geht man aus einer Ausstellung raus und hat das Bedürfnis nach mehr: endlich Pasolinis Roman „Ragazzi di vita“ zu lesen, weil die in der Schau zitierten Gedichtpassagen so faszinierend sind. Endlich wieder „La dolce vita“ oder „Die Nächte der Cabiria“ sehen, bei denen er am Drehbuch mitgearbeitet hat. Und natürlich seine eigenen Filme, die durchaus anstrengend sind, doch die gezeigten Sequenzen machen klar: Es lohnt sich. Pasolinis Themen wie Sex, Tod, Politik, Großstadt und Poesie kommen nie aus der Mode. Was die Ausstellung aber so beeindruckend macht, ist, dass sie nicht nur sachkundig, sondern auch poetisch ist.     

Text: Stefanie Dörre

Bild: Mamma Roma, Pier Paolo Pasolini, 1962. All rights reserved

Pasolini Roma, Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, Kreuzberg, ?Mi–Mo 10-–19 Uhr, 24. u. 31.12. geschlossen, 27.12.–4.1.2015 10–22 Uhr, bis 6.1.2015

 

 

Sammlung Scharf-Gerstenberg BerlinFür Aussteiger

„Das Wunder in der Schuheinlegesohle.? Werke aus der Sammlung Prinzhorn“ in der Sammlung Schar-Gerstenberg

Nicht erst die Surrealisten faszinierte der Wahn: Noch bevor Andrй Breton in seinem Manifest den schöpferischen Automatismus, ungefiltert durch rationales Denken, beschwor, sammelte der Kunsthistoriker und Psychiater Hans Prinzhorn 1919 bis 1921 bildende Werke von „Geisteskranken“, wie man damals sagte: nüchtern illustrierte Gehirnparalysen, aber auch verstörende Wurmlöcher im Kopf, deformierte Körper. Verblüffend feinfühlige Selbstreflexion und Kritik an der Schikane in Anstalten. Perspektiven, die nicht bloß von historischem Wert sind, sondern auch heute intuitiv schockieren.    

Text: Stefan Hochgesand

Bild: Sammlung Prinzhorn, Heidelberg / Medienzentrum des Universitätsklinikums Heidelberg

Das Wunder in der Schuheinlegesohle.?Werke aus der Sammlung Prinzhorn, Sammlung Scharf-Gerstenberg, Schloßstraße 70, Charlottenburg, ?Di–Fr 10–18 Uhr, Sa+So 11–18 Uhr, 24. u. 31.12. geschlossen; 25.+26.12. 11–18 Uhr, 1.1.2015 12–18 Uhr

 



Wchutemas-Ein russisches Labor der Moderne im Martin-Gropius-Bau BerlinFür Modernisten

„WChUTEMAS – Ein russisches Labor der Moderne. Architekturentwürfe 1920 – 1930“ im Martin Gropius Bau

Wie im deutschen Bauhaus versammelte sich in Russland in den 1920er-Jahren die künstlerisch-technische Elite in den Wchutemas-Werkstätten – unter anderem arbeiteten dort Lissitzky, Kandinsky und Rodtschenko. Die  Architektur-Fakultät, in der Konstruktivismus-Legende Melnikow lehrte, verstand sich dabei als besonders wichtiger Part in der Neugestaltung der postrevolutionären russischen Gesellschaft. Der Martin-Gropius-Bau zeigt jetzt 250 Skizzen, Zeichnungen, Modelle und Architektur-Utopien dieser aufregenden Zeit.    

Text: Iris Braun

Bild: A. Burow / Staatliches Schtschussew Museum für Architektur Moskau

WChUTEMAS – Ein russisches Labor der Moderne. Architekturentwürfe 1920 – 1930, Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, Kreuzberg, Mi–Mo 10-–19 Uhr, 24. u. 31.12. geschlossen, 27.12.–1.1.2015 10–22 Uhr, bis 6.4.2015

 

 

Kunstgewerbemuseum BerlinFür Mode- und Designfreunde
Das Kunstgewerbemuseum

Die Modemesse Bread & Butter wurde für diesen Winter abgesagt. Dennoch kommen modeaffine Berliner und Besucher auf ihre Kosten. Seit Kurzem zeigt sich das Kunstgewerbemuseum in neuem Gewand. Es wurde ein aufwendiger Parcours eingerichtet, bei dem man sich fühlt wie beim Schaufensterbummel. Herausgekommen ist ein Haus im Haus. Großzügige Vitrinen in abgedunkelten Räumen lenken den Blick auf stoffreiche Krinolinenkleider des Fin de Siиcle und körperbetonte Charleston-kleider der Zwanziger-jahre. Berühmte Couturiers wie Paul Poiret, Elsa Schiaparelli oder Christian Dior sind mit von der Partie.
Das Ganze wird lebendig, indem Accessoires wie Zylinder und Kapotthütchen, Handtaschen und Handschuhe sich dazugesellen. Atemberaubend, wie zierlich die Taillen um 1900 gewesen sein müssen. Wie Kinderschuhe mutet die Fußbekleidung der Damen an. Blümerant kann einem werden angesichts von kornblumenblauen Stiefeletten. Die Männerwelt kleidete sich im Rokoko ebenso anspruchsvoll. Im 19. Jahrhundert blieben davon opulent bestickte Westen übrig. Taschenuhren waren das Statussymbol dieser Zeiten. So eine Art Handy für die Biedermeierzeit.
Sehenswert ist auch die neu sortierte Designabteilung. Hier kann man sich von Stuhl zu Stuhl hangeln: von der quietsch-roten Schreibmaschine über das Thonetschaukelkinderstühlchen bis zum futuristischen grünen Panton Chair.     

Text: Martina Jammers

Kunstgewerbemuseum, Matthäikirchplatz, Tiergarten, Di–Fr 10–18 Uhr, Sa+So 11–18 Uhr, ?24. u. 31.12. geschlossen, 25.+26.12. 11–18 Uhr, 1.1.2015 12–18 Uhr

 

 

Sammlung Frieder Burda in der DB Kunsthalle BerlinFür Avantgardisten
„Höhere Wesen befehlen. Arbeiten auf Papier aus der Sammlung Frieder Burda“ in der Deutschen Bank Kunsthalle

Sechs zentrale Positionen aus der Sammlung des Verlegersohns Frieder Burda. Mit Arbeiten von Polke, Rauch und Richter, unter anderem. Hier kann man als Besucher nichts falsch machen. Die stärksten Bilder der Schau stammen übrigens nicht mal von den oben Genannten, sondern vom Österreicher Arnulf Rainer: beklemmend übermalte Porträtfotografien.
Wie fast immer ist der DB Kunst-Halle eine exzellent-anregende Konstellation in der Hängung gelungen. Da der Sammler Burda sich zur „Liebe für die Farbe“ bekennt, dürfen da auch großformatige Gemälde neben kleinen Bleistiftskizzen nicht fehlen. Ein Wagnis, das aufgeht. Sowieso ist die Zeichnung als Gattung gerade wieder schwer im Kommen, man spürt es in Berlin. So gesehen ist man mit der durchaus konservativen Schau fast schon wieder Avantgarde.     

Text: Stefan Hochgesand

Bild: © Arnulf Rainer/ Deutsche Bank KunstHalle Foto: Volker Naumann

Höhere Wesen befehlen. Arbeiten auf Papier aus der Sammlung Frieder Burda, DB Kunsthalle, Unter den Linden 13-15, Mitte, tgl. 10–20 Uhr, 24.+25.12. geschlossen, 31.12. 10–16 Uhr, 1.1.2015 14–20 Uhr, bis 8.3.2015

 

Hier geht es zum nächsten Highlight, June Newton im Interview über die „Permanent Loan Selection“ im Helmut Newton Museum

 

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