Ausstellungen

Die Deutsche Bank gibt Einblick in ihre Sammlung von Arbeiten auf Papier

Deutsche_Bank_Kusthalle_circlewalkedcasuallyNun hat Victoria Noorthoorn ein neues Experiment mit den brasilianischen Architekten Daniela Thomas und Felipe Tassara gewagt. Sie bringen unser Gefühl für Räumlichkeit ins Wanken. Die exquisite Auswahl aus der Unternehmenssammlung wird quasi zur kinetischen Skulptur. Die Werke hängen nicht an der Wand, sondern an Fäden von der Decke, werden regelrecht zu physischen Objekten.

Der Anstrich des Schwebenden passt gut zu den filigranen, mit Bleistift oder Tusche aufs Papier gezauberten Werken. Die Kuratorin vertraut der Kraft der Bilder, verzichtet auf Chronologie oder Beschriftung und lässt die Arbeiten lieber untereinander kommunizieren und direkt zum Betrachter sprechen. Rund 140 Blätter von 50 älteren wie jüngeren Künstlern sind zu sehen. Da findet das traurige „Soldatengrab“ von Otto Dix Platz neben zeitkritischen Lithografien wie der „Atom Bomb“ von Raymond Pettibon, Ernst Barlachs „Betrunkene Bettlerin“ baumelt neben einer tätowierten Frau von Lucian Freud. Oft scheint eine Linie geradezu in die Linien der nächsten Zeichnung überzugehen.

Man staunt über die Parallelen dieser inspirierten Hängung, bei der zum Beispiel abstrakte Farbstudien von Katharina Grosse mit Gerhard Richter korrespondieren, oder über die Schönheit der Kostbarkeiten wie Chris Ofilis „Black Nude I“ (2005), tief schwarz und mit Goldbronze verziert.

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Victoria Noorthoorn, die in ihrer Heimatstadt Buenos Aires das Museo de Arte Moderno leitet, ließ sich für „The Circle Walked Casually“ von einer fantastischen Kurzgeschichte des uruguayischen Autors Felisberto Hernбndez inspirieren. Dort verlieben sich ein Kreis und ein Dreieck und reisen auf einer horizontalen Linie entlang. Absurde Vorstellung, aber reizvoll wie diese surreale Seherfahrung.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: 2001 Kara Walker / Courtesy of Sikkema Jenkins & Co., New York / Sammlung Deutsche Bank

The Circle Walked Casually KunstHalle der Deutschen Bank Unter den Linden 13-15, Mitte, tgl. 10–20 Uhr, bis 2.3.

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