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„Die geretteten Götter aus dem Palast vom Tell Halaf“ im Pergamonmuseum

GrabanlagenDie kostbaren aramäischen Großplastiken aus Basalt zerbarsten, als das kalte Löschwasser auf die bis zu 900 Grad heiße Oberfläche traf. Max von Oppenheim, der Entdecker dieser Figuren, reagierte geistesgegenwärtig, als er die 27.000 Einzelteile in die Keller des Pergamonmuseums transportieren ließ. Doch das Steinpuz­zle galt als: „Nicht mehr restaurierbar!“ Bis Anfang der 90er-Jahre Archäologen und Restauratoren neuen Mut fassten und den Kampf mit den Einzelteilen aufnahmen. Nun erwartet den Besucher nichts weniger als eine Weltsensation: 40 zum Teil tonnenschwere Skulpturen aus der syrischen Wüste­ ­wurden in zäher Fleißarbeit zusammengeflickt, die Sprünge dabei bewusst nicht geglättet. Das Fragile im Monumentalen ist nicht vertuscht. Wir sehen eine handtellergroße, sich auf ihrem Bettchen fläzende Nackte genauso wie tonnenschwere Greifvögel, die bedeutungsschwanger die Weltenlage peilen. Ein wohlgenährtes Hühnchen reitet auf einem Vogel Strauß. Ein Wettergott schwingt gebieterisch die Keule, um potenzielle Feinde abzuwehren. Vor goldenen Wänden kommen die schweren, mitunter an Azteken-Kunst erinnernden Exponate vortrefflich zur Geltung. Aufgebaut ist das Ganze wie ein Stationendrama aus Bröseln, Inferno und sagenhafter Rettung. Der Phönix aus der Asche ist eine Frau, eine bezopfte Grabskulptur, vor der Oppenheim zur Verblüffung von Besucherin Agatha Christie seufzte: „Ach, meine schöne Venus!“

Text: Martina Jammers

Foto: Max Freiherr von Oppenheim Stiftung Koeln

tip-Bewertung: Herausragend

Die geretteten Götter aus dem Palast vom Tell Halaf Pergamonmuseum, bis 14.8.2011

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