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„Die Kiezköpfe“ von Nadia Budde

Den schrägen Humor verdankt Nadia Budde ihrem Großvater, einem Kauz, wie sie sagt, der in seinem Dorf gerne über die Nachbarn lästerte und amüsant von ?Arbeit und Alltag erzählen konnte. Enkelin Nadia, die in dem südbrandenburgischen Idyll ihre Sommerferien verbrachte, zeichnete zu Opas großer Freude die kruden Geschichten. „Das waren so kleine Hefte, wie Comics eigentlich, mit Szenen aus dem Dorfleben“, erinnert sie sich.
Heute, mehr als 35 Jahre später, hat die 1967 in Ost-Berlin geborene Illustratorin nur wenig an ihrer Herangehensweise geändert. Sie beobachtet Menschen, und manchmal Tiere, und entdeckt abstruse Begebenheiten und witzige Details, die ihr die Vorlagen für liebevolle, gerne auch karikierende Charakterstudien liefern.
Für die tip-Siebdruck-Edition „Kiezköpfe“ hat sie sich die Berliner Kieze etwas genauer angeschaut und jedem Bezirk eine Figur gezeichnet, ohne Angst vor Klischees, aber mit genauem Blick für die Eigenheiten der verschiedenen Stadtteile: Da brennt dem Kreuzberger der Kopf, aus Wilmersdorf kommt die strenge Witwe, für Reinickendorf steht der Fuchs und das Marzahner Hasenwesen hat hübsche Plattenbauohren bekommen. Hier und da hat sie Elemente aus den Bezirkswappen verarbeitet, sie verweist auf die Stadtgeschichte oder stattet die Figuren mit passenden Accessoires aus.
Die neue tip-Siebdruck-Edition ist irgendwie süß und knuddelig. Kinderkram ist sie aber nicht, eher eine Liebeserklärung an die Stadt. Kinder und Jugendliche lieben Buddes Bilder dennoch und für sie hat die gelernte Schaufenster-Dekorateurin und studierte Grafikerin ihre wichtigsten und besten Bücher geschrieben und gezeichnet. Schon das Debüt „Eins Zwei Drei Tier“ aus dem Jahr 1999, für das sie den Deutschen Jugendliteraturpreis erhielt, setzte sie in die Spur. Mehr als ein Dutzend Kinder- und Jugendbücher folgten, dazu Lehraufträge, kurze Trickfilme und 2010 der zweite Jugendliteraturpreis für „Such dir was aus, aber beeil dich!“.
Heute gehört Nadia Budde zu den bekanntesten KinderbuchillustratorInnen des Landes, dabei hat sie als Jugendliche das Zeichnen fast aus den Augen verloren. Zwar liebte sie die DDR-Kinder- und Bilderbücher von Werner Klemke und den spezifischen Humor von Wilhelm Busch; im Haus der jungen Talente übte sie fleißig, Akt und Stillleben zu zeichnen. „Aber ich dachte, ich werde Tierärztin oder Psychologin. Dass ich dann doch Kunst studiert habe, war ein Zufall. Eine Freundin wollte an die Kunsthochschule Weißensee und ich habe mich spontan auch beworben und wurde genommen“, sagt sie.
„Eins Zwei Drei Tier“ entstand noch während des Studiums, da war sie selbst schon Mutter. „Für mein eigenes Kind habe ich das Buch aber nicht gemacht“, stellt sie fest, ihren Stil hat sie da aber gefunden. Der Jugendliteraturpreis öffnete Türen, die Aufträge kamen rein, doch viel verdienen konnte sie mit Kinderbüchern nicht. „Ich muss immer wieder andere Sachen machen. Werbung, Illustrationen für Zeitungen, angewandte Sachen“.
In der „Kinder- und Jugendliteratur-Schublade“ fühlt sie sich aber ganz wohl, auch wenn sie solche Kategorien manchmal als lästig empfindet. „In Deutschland wollen die Buchhändler immer sehr genau wissen, wo sie ein Buch einsortieren können. In anderen Ländern ist das nicht so. Denn gerade bei Illustrationen sollte man mehr offenlassen. Erwachsene kaufen sich doch auch gerne mal selbst ein illustriertes Buch.“ Oder einen limitierten und signierten Siebdruck.

Text: Jacek Slaski

Foto:
Christian Reister, Nadia Budde

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