Ausstellungen

Die Sammlung des Bankiers Wagener in der Alten Nationalgalerie

Eduard_Magnus_Heimkehr_des_PalikarenWas galt vor 150 Jahren als trendy? Und wie viel davon hat die Zeit überdauert? Spannende Fragen wie diese beantwortet die Ausstellung zum 150-jährigen Bestehen der Nationalgalerie. Ohne die testamentarische Verfügung eines kunstsinnigen Bankiers würde es sie nicht geben. Joachim Heinrich Wagener vermachte dem Preußenkönig 262 Gemälde unter der Auflage, die Werke öffentlich auszustellen. Sein Wille geschah, und so wurde­ seine Sammlung 1861 zum Grundstock der wenig später erbauten Alten Nationalgalerie. Im Kolonnadenhof davor thront neuerdings Jonathan Meeses „Humpty-Dumpty-Maschine“, sodass einen der Gedanke befällt: Wie lange wohl die Halbwertszeit für den Schrott von heute sein wird?

Die Schinken, die vor 150 Jahren aktuell waren, kann man im Obergeschoss besichtigen: gruselig! Natürlich nicht nur, aber zum Teil – aus jetziger Sicht. Denn Wagener sammelte breit, bunt und kundig. Highlights von Caspar David Friedrich und Friedrich Schinkel, doch daneben häufen sich Ritterburgen und Reiter, Genre- und Historienbilder: Zeitgeschmack eben, Konsens von anno dazumal. Ob Bergdramen oder Blumensträuße, Schießereien oder schöne Römerinnen, entdecken kann man eine Menge in dieser kulturhistorisch interessanten Schau, vereinzelt auch tolle progressive Werke, wie Museumsdirektor Udo Kittelmanns Lieblingsbild „Die Pontinischen Sümpfe bei Sonnenuntergang“ von August Kopisch. Die Hälfte der Künstler kennt man heute kaum mehr. Aber das wird wohl zu allen Zeiten so sein.

Text: Andrea Hilgenstock

tip-Bewertung: Sehenswert

Die Sammlung des Bankiers Wagener Alte Nationalgalerie, bis 8.1.2012

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