Ausstellungen

Die transmediale 2014 beleuchtet die Schattenseiten der digitalen Ära

Katerina_Undo_c_AeroPeruIn dem selbstreflexiven Projekt „Critical Infrastructure“ untersuchen Jamie Allen und David Gauthier die Voraussetzungen, unter denen Medienkunst und Festivals überhaupt ent- und bestehen können. Die beiden Künstler werteten dazu Daten aus und verwandelten sie in eine Techno-Skulptur, die das gesamte HKW-Foyer in Beschlag nimmt.

Für die Hauptausstellung wurden 70 Hacker und Künstler eingeladen, die Themen der transmediale 2014 in eine groß angelegte In­stallation zu übertragen. Aus dem chaotischen Konglomerat technischer, künstlerischer und gesellschaftskritischer Strategien ergeben sich Fragen nach Datenmüll, Wirtschaftskriegen und der Unfähigkeit wegzuwerfen. Mit Diskussionen, Performances und Workshops dringen die künstlerischen Akteure mit ihren Projekten fortwährend in das Festivalprogramm ein, auch außerhalb der statischen Ausstellungen – wenn etwa der Nigerianer Jelili Atiku in der Performance „Afamako“ seinen eigenen Körper zur Endlagerstätte für Elektroschrott umwandelt oder Nancy Mauro-Flude den Computer als theatrale Maschine interpretiert und im experimentellen Tanzwerk „Error_in_Time“ Datensuche, Algorithmen und Identitätsdiebstahl verarbeitet.

Die schöne neue Internet-Wunderwelt währte nicht lange, schon reden die ersten Trendforscher von post-digitaler Katerstimmung. Was als Verheißung eines weltumspannenden Netzes begann und rasante Kommunikation und unermesslichen Zugang zu Informationen versprach, weicht auch auf der transmediale der betrübten Einsicht, dass das Netz von Kriminellen, Geheimdiensten und Konzernen beherrscht wird.

Text: Jacek Slaski

Foto: Aero Peru

Transmediale 2014 Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, Tiergarten, 29.1.–2.2., www.transmediale.de

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