Ausstellungen

„Die Tropen“ im Martin Gropius Bau

Die Tropen_Maske_Foto:mgbDie Ausstellung funktioniert, doch es musste nicht so kommen, denn das Konzept ist gewagt, ein Scheitern wäre möglich. Mit Exponaten aus den Beständen des Berliner Ethnologischen Museums in Kombination mit zeitgenössischer Kunst erlauben die drei Kuratoren Alfons Hug, Peter Junge und Viola König einen undogmatischen Blick auf die Tropen. Ihr erklärtes Ziel war die Erschaffung einer Situation, in der man den Tropen unmittelbar begegnet, quasi in sie eintauchen kann. Ganz so weit geht es dann nicht, die Ausstellung ist schließlich kein Erlebnispark, man befindet sich stets in den klimatisierten, sterilen Ausstellungsräumen des Martin-Gropius-Baus. Es fehlen die Gerüche, die Hitze, der Klang – die wirklichen Tropen erleben kann man eben nur in den Tropen. Was die Ausstellung Die Tropen jedoch leistet, ist eine gelungene Abbildung der Tropen. Ihrer Widersprüche, Pracht und Vielfältigkeit. Auf den erhobenen Zeigefinger des Museumspädagogen wird hier dankenswerterweise verzichtet. Brisante Themen wie die Abholzung des Regenwaldes oder die verheerenden Auswirkungen der Kolonialgeschichte stehen nicht im Vordergrund, vielmehr sind sie sanft in einer Gesamtaussage eingewoben, die zugleich auch eine Frage ist: Was sind die Tropen und lassen sie sich überhaupt als Einheit sichtbar machen?

Um sich mit dieser Frage ernsthaft auseinanderzusetzen, mussten die Macher auf unbetretenen Pfaden schreiten. Ausstellungen, in denen alte Kunst gemeinsam mit zeitgenössischer Kunst präsentiert wird, sind solch ein neuer Weg, auch um mit Begriffen wie „primitiver“ und „moderner“ Kunst aufzuräumen. Diese Herangehensweise erlaubt einen neuen, unverbrauchten Blick auf die Kunstwerke. So konsequent wie in Die Tropen ist diesen Weg bislang wohl noch niemand gegangen. Die Tropen_Foto:mgb
Hier stehen weder geografische, historische noch kulturelle Zusammenhänge im Zentrum, sondern übergreifende Themen wie Farbenpracht, Naturbegriff, Stadt und Menschenbilder der tropischen Länder. Afrikanische Wurfmesser hängen über einer dokumentarischen Videoarbeit aus Vietnam und indonesische Ahnenfiguren neben moderner Fotografie aus Brasilien. Die ausgewählten Perspektiven erlauben keine Einheitlichkeit. Gleichberechtigt verbinden sich der Blick von innen, vertreten durch zeitgenössische Künstler aus den tropischen Ländern wie den Brasilianer Walmor Correa oder den Vietnamesen Dinh Q. Le, mit der alten Kunst und schließlich dem Blick von außen, u.a. repräsentiert von den deutschen Fotografen Andreas Gursky oder Candida Höfer oder dem Maler Franz Ackermann, dessen farbenfrohes Großwerk Terminal Tropical in die Ausstellung führt.

Ein Videofilm über Transvestiten in Caracas, afrikanische Antilopenmasken, die Naturmächte verkörpern, und Mark Dions Nachbildung eines Dschungel-Shops, all diese Exponate erzählen von der wild wuchernden, für europäische Gemüter schnell unübersichtlich wirkenden Region, die sich rund um den Globus zieht. Von Brasilien bis nach Vietnam, vom Kongo bis Australien offenbart sich hier eine Welt, in der oftmals keine Gemeinsamkeiten existieren und doch scheint alles in einem universellen Zusammenhang zu stehen.

TEXT: Jacek Slaski

Sehenswert

Die Tropen
Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, Kreuzberg,
Mi-Mo 10-20 Uhr, Eintritt: 6/4,50 Ђ,
bis 5.1.2009

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