Kommentar

„Digitale Tauchschule“ von Stefanie Dörre

Vielleicht verfolgen Sie auch die Reihe Immersion der Berliner Festspiele. Sie ist über drei Jahre angelegt. Für so lange wird der Zeitraum bemessen, bis wir Menschen das „Eintauchen“ gelernt haben. Nicht beim Sprung vom Dreimeterbrett

Stefanie Dörre

Es geht um die Verschmelzung der digitalen und realen Welt, die uns diesen Unterschied als irreal erachten lässt.
Ich war skeptisch gegenüber der Prognose, in drei Jahren (also jetzt nur noch zweieinviertel, denn die Reihe läuft ja schon) würden wir auf diesen Unterschied pfeifen. Aber nun hat sie Unterstützung von Jeff Koons bekommen, diesem megaerfolgreichen Künstler mit den bunten Ballonhunden, den keiner leiden kann. Koons hat sich mit dem Instant-Messenger-Dienst Snapchat zusammengetan und im New Yorker Central Park eine digitale Version seiner Skulptur „Balloon Dog“ aufgestellt. Also: Zum Foto vom Central Park wird die Koons-Skulptur per Snapchat hinzugefügt und um die Welt geschickt. Worauf die Street Art reagiert hat. Natürlich digital. Der in New York lebende Sebastian Errazuriz hat eine graffitiverzierte Augmented-Reality-Version der Skulptur produziert und ebenfalls in den Park gestellt.
Das alles ist flüchtig? Kann man auch von Performance sagen. Das ist Quatsch? War Dada auch. Tatsächlich sieht es so aus, als träte zum Kanon der künstlerischen Medien das Digitale mit Macht. Wer sich schlau machen möchte: Im Martin-Gropius-Bau läuft in der Reihe Immersion gerade die Ausstellung „Old Food“ von Ed Atkins.

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