Ausstellungen

„Do not walk outside this area“ im Deutschen Guggenheim

Guggenheim_Roman_Ondak_05_c_Roman_Ondak_collection_La_Gaia_BuscaKünstler aus Osteuropa sind derzeit sehr gefragt. Im Deutschen Guggenheim, wo unlängst Pawel Althamer seine Abgüsse produzieren ließ, erhält jetzt Roman Ondбk einen Auftritt. Der 1966 geborene Slowake ist „Künstler des Jahres“ der Deutschen Bank, die diese Schau ausrichtet – mit einem der „bedeutendsten osteuropäischen Gegenwartskünstler“, wie es Pierre de Weck von der Konzernleitung formuliert. In seinem Werk fordere Ondбk dazu auf, „die Kunst und das Leben aus neuen Perspektiven zu betrachten“. Zweimal war der 45-Jährige auf der Biennale in Venedig dabei. Auch im New Yorker MoMA hat er schon das Universum vermessen, indem er die Besucher Maß nehmen ließ. Laut eigener Aussage interessiert den Künstler, der sich hauptsächlich in Installation und Zeichnung ausdrückt, „das alltägliche Verhalten der Menschen“ und „die Qualität hinter den Objekten“. Er nutzt vorgefundene Situationen in Galerien oder auf Kunstmessen, auf der Straße oder im häuslichen Umfeld. Indem er diese Situationen verändert und inszeniert, bringt er Erwartungen ins Wanken, oft mit simpel anmutenden Einlassungen poetischer Natur. In Venedig holte er den Garten in den Pavillon, verwischte die Grenzen zwischen Kunst und Alltag, Innen und Außen.

Für sein aktuelles Projekt „Do not walk outside this area“ nimmt er wieder diese Grenzen ins Visier. Der Weg durch die Schau führt über den originalen Flügel einer Boeing 737-500, keine weihevolle Skulptur, sondern ein Gebrauchsgegenstand, auf dem diese ziemlich absurde Anweisung die Passagiere seit jeher verwundert. Würde jemand den Flugzeugflügel betreten wollen, um sich in den Tod zu stürzen? Wie eine Brücke fungiert er nun zwischen den Ausstellungsräumen. Dort sind Papierarbeiten und Installationen zum Thema Reisen zu sehen, etwa „Balancing at the Toe of the Boot“, eine Serie von Postkarten und nachempfundenen Zeitungsartikeln, die Sehnsucht nach Kalabrien wecken. Das ist Konzeptkunst der symbolträchtigen Sorte: Wer über jene sonst unerreichbare Fläche balanciert, die Flugpassagiere normalerweise durchs Fenster betrachten, betritt die Tragfläche seiner Vorstellungen, Erinnerungen und Fantasien – und bleibt dabei doch am Boden.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Roman Ondбk / collection La Gaua, Busca

Do not walk outside this area Deutsche Guggenheim, Unter den Linden 13–15, Mitte, tgl. 10–18 Uhr, 26.4.–18.6.

Mehr über Cookies erfahren