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Du bist Berlin: Anna Jill Lüpertz – Die Unkomplizierte

luepertzDie Tochter eines Düsseldorfer Malerfürsten, dem der Ruf eines Exzentrikers vorauseilt, stellt man sich gern als schwierige, vielleicht sogar schrille Person auf zu hohen Schuhen vor. Dass sie wie Papa Markus Lüpertz, salopp gesagt, in Kunst macht und gerade eine eigene Galerie eröffnet, lässt auch eher an eine reiche Ehefrau und Erbin denken als an echtes Herzblut für Kunst und Künstler. Man könnte, bis auf die hohen Schuhe, nicht falscher liegen. „Ich bin ja keine durchgeknallte Millionärin, die nicht weiß, wohin mit ihrer Kohle“, sagt Anna Jill Lüpertz. Sie wird eine Galerie im vom Drogenstrich geprägten Teil der Kurfürstenstraße eröffnen. Den „Raum für Kunst“ hat sie mit dem Künstler Peter Stauss initiiert. Sie nennt ihre Galerie aber lieber schlicht „Projektraum“. Nach zehn Jahren als künstlerische Leiterin, zuletzt der Berliner Galerie Crone, hat sie genug reiche Ehefrauen gesehen, die „eine Garage, groß wie Tegel, mit Kunst vollhängen“, um diesem Eindruck sofort energisch entgegenzutreten.

Die 41-Jährige, die einem mit Kölner Herzlichkeit gegenübertritt, hat erst als Werberin in der Düsseldorfer Agentur Grey gearbeitet. Später dann, nach Abschluss eines Kommunikationsstudiums, in einer Werbefilmfirma. „Das war eine gute Schule. Ich habe viel gelernt über Menschen, Bedürfnisse und Marktgesetze. Und wie man das unter enormem Budget- und Zeitdruck erfolgreich zusammenbringt.“ Allerdings habe sie nach ein paar Jahren das Gefühl gehabt, dass es nicht reicht, mit Riesenaufwand die optimale Farbe für Kunst­rasen oder Nagellacke zu finden. „Wenn Dich später mal jemand fragt, was hast Du so gemacht, wäre das doch ein bisschen wenig für ein ganzes Leben.“ Da traf es sich ganz gut, dass ihr Stiefvater Michael Werner sie und ihren Bruder Julius in der familieneigenen Galerie an seiner Seite haben wollte. Im Kölner Haus von Werner ist Lüpertz zusammen mit ihrer Mutter Jule Kewenig, ebenfalls Galeristin, aufgewachsen. Vorbildung bekamen die Geschwister mehr als genug. Werner, einer der wichtigen Galeristen in Köln, dem Zentrum des Kunstbetriebs der alten BRD, führte während ihrer gesamten Kindheit ein offenes Haus. Die kleine Anna kam mit auf Kunstmessen, sah Martin Kippenberger im elterlichen Wohnzimmer und besuchte A. R. Penck im Atelier. Dazu kam noch die enge Verbindung zum leiblichen Vater, der zwar nicht den Alltag gestaltete, „aber doch immer da war, wenn es wichtig wurde“.

Sie erlebte die 80er wie viele als Riesenspaß: „Es war lauter, lustiger und dreckiger als heute.“ In der elterlichen Galerie sah sie schon früh das Kontrastprogramm dazu, Ernst und Professionalität: „Man hat 15 Angestellte, betreut Künstler sehr intensiv, man hat nicht mehr nur Verantwortung für sich.“ Wer wie sie dann später auf Messen 14 Stunden gut gelaunt und perfekt angezogen Kunst und Künstler verkaufen muss, macht sich über den geschäftlichen Aspekt des Kunstmarkts auch keine Illusionen mehr. Der soll allerdings im „Raum für Kunst“ nicht im Vordergrund stehen. Hier möchte sie mehr Luft zum Experimentieren haben. Daher wird mit der ersten Ausstellung auch ein recht unbekannter Künstler wie Steff Loewenbaum gezeigt. „Der Raum sollte sich natürlich schon tragen, aber wir wollen Kunst um der Kunst willen zeigen, ohne dass ein großer Galerieapparat finanziert werden muss.“

Einige dieser großen Apparate wie Blain|Southern befinden sich seit April direkt in der Nachbarschaft, am Tristesse-Boulevard Potsdamer Straße, dem neuen Gale­rienzentrum. Für Anna Jill Lüpertz ist diese Gegend inmitten von Drogenstrich, Videotheken und Ein-Euro-Shops geradezu ein Geschenk: „Es ist noch bezahlbar, es ist mitten in Berlin, und es krachen Gegensätze aufeinander. Für Kunst ist das immer gut.“ Ansonsten ist die Galeristin in Berlin dort, wo es auch kracht, aber nicht mehr unbedingt bezahlbar ist: „Mitte ist immer noch das Zentrum des Kunstbetriebs, vor allem das gastronomische. Gegen das Triangel Borchardt-Grill Royal-Soho House kommt einfach nichts an.“ Dass ihr das gefällt, leugnet sie auch gar nicht: „Ich treffe dort Freunde und Kunden. Es gibt gutes Essen und Getränke. Was will man mehr?“ Dass das nicht mehr das Berlin Martin Kippenbergers ist, stört sie wenig, und wenn sie es beschaulicher haben will, fährt sie einfach nach Hause ins trend-unverdächtige südliche Moabit. Wobei sich das vielleicht gerade ändert: „Zwei meiner Geschwister wohnen auch schon da“, sagt Anna Jill Lüpertz. Und natürlich ihr Ehemann Markus Keibel, der Künstler ist.

Text: Iris Braun

Foto: Oliver Wolff

U37 – Raum für Kunst Kurfürstenstraße 37, Schöneberg, ab 13. Mai, Fr 14–20 Uhr, Sa 14–18 Uhr 

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