Ausstellungen

„Ein Blick drauf“ im Pony Pedro

Beat-GippAuf dem Höllenbild von Frank Höhne geht es brutal zu. Da hängt ein Jesus mit abgeschlagenen Gliedmaßen am Kreuz, um den Bauch trägt er einen Sprengstoffgürtel. Aus den oberen Ende des Kreuzes schießt eine Flamme heraus. Am unteren sägt ein Ku-Klux-Klan-Wesen. Die Szene ist brachial. Aber auch witzig. Als eine der höllischen Qualen wird die Feuerqualle genannt. Und der Strich ist filigran. Zwei Tier-Mensch-Kreaturen klettern auf dem Kreuz herum, weit entfernt klingen die Höllenbilder des Hieronymus Bosch an. Ganz unten steht ein Mensch, so blau wie der Ozean, „Angst vorm Leben“ steht ihm auf die Stirn geschrieben. Frank Höhne ist Grafiker, er verdient sein Geld bei Zeitschriften wie „Neon“ oder „Brigitte“. Aber er macht auch freie künstlerische Arbeiten, mit den Mitteln des Siebdrucks. Höhne nutzt die tradierte Ästhetik des Mediums, ihre archaischen und anarchistischen Momente, die Reduktion und die intensiven Farbflächen, und integriert sie in seinen Stil. Und er steht damit nicht allein. „Keine andere Stadt in Deutschland hat so eine lebendige Kunst-Siebdruckszene wie Berlin“, sagt Sebastian Wagner. Auch er ist Künstler. Doch die Recherche hat er als Kurator der Ausstellung „Ein Blick drauf“ betrieben, die einen Überblick über Siebdruck-Kunst aus Berlin gibt.

Frank-Hoehne„Siebdruck hatte in Berlin viel mit der Hausbesetzer-Szene zu tun, weil er technisch nicht sehr aufwendig und ein gutes Propaganda­instrument ist“, erklärt Wagner. Mit politischen Plakaten oder Slogans auf T-Shirts hat die von ihm kuratierte Schau aber nur noch mittelbar zu tun. „Mir war wichtig, dass in den Bildern gesellschaftlich relevante Inhalte transportiert werden“, sagt er. So zeigt Tim Dinter, wie der Verwertungsdruck die Stadt verändert. Franziska Schaum reflektiert in „Brazilian Waxing“ die Zwänge und Zurichtungen der Schönheitsindustrie. Various & Gould greifen die Tradition des politischen Plakats auf, lassen die Aussage aber vage. Sebastian Wagner beteiligt sich selbst nicht, obwohl er als Teil des Künstlerkollektivs Pony Pedro sowohl Siebdruck als auch Performances macht. Die Schau ist die zweite nach dem erzwungenen Umzug vom Neuen Zentrum Kreuzberg an den U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße. Eine unwirtliche Gegend, in der die Künstler zwischen Asia-Imbissen, Spätkauf-Läden und Büros die Flächen eines ehemaligen Copyshops angemietet haben. Ihre großen Schaufenster sind dort die freundliche Ausnahme. In den Räumen gibt es eine Siebdruckwerkstatt, die anderen Künstlern offensteht. Zudem haben Pony Pedro noch ein kleines Sortiment an schön gestalteten Papierprodukten wie Fotoalben und Schreibheften. Die in der Ausstellung gezeigten Bilder kosten zwischen 35 und 150 Euro bei einer 50er-Auflage. „Die Drucke sind erschwinglich, das ist uns wichtig“, sagt Sebastian Wagner. Schließlich steht der Siebdruck in linksalternativer Tradition.

Text: Stefanie Dörre

Ein Blick drauf
Pony Pedro, Köpenicker Straße 100, Mitte, Eröffnung Fr 10.12. 20 Uhr, 13.12.-28.1., Mo-Fr 10-18 Uhr, Sa 18.12. 10-18 Uhr, www.ponypedro.de

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