Kommentar

„Ein echter Hammer“ von Stefanie Dörre

Auctionata, das Berliner Online-Auktionshaus für Kunst und Luxus­gegenstände, ist insolvent. 2012 gegründet, als preisgekröntes Startup 21,5 Millionen Euro eingesammelt, in die USA expandiert – und jetzt pleite

Stefanie Dörre

Zeitgleich kommt die Meldung, dass Florian Illies und Micaela Kapitzky die Grisebach-Leitung übernommen haben. Ebenfalls Berlin, ebenfalls ein Auktionshaus. Doch damit enden die Gemeinsamkeiten. Denn Grisebach, 1986 gegründet, setzt auf Tradition und alte Medien. Illies, ehemaliger „Zeit“-Feuilletonchef und „Monopol“-Gründer, gibt ein Grise­bach-Printmagazin heraus. Die Einladungen kommen per Post. Die Vorbesichtigungen der Werke finden in der Villa, Fasanenstraße 27, statt. Und bei Auktionen steht da ein analoger Auktionator mit echtem Hammer. Online kann mitgeboten werden. Es gibt eine Website. Aber Kunst, so die Botschaft, muss man im Original anschauen. Das seh’ ich genauso. Wie wohl auch die Leute, die bei Auktionen Kunst kaufen. Denn bei Grisebach läuft’s, ohne Start­up-­Tamtam, aber mit Traditionsbewusstsein.
Könnte es sein, dass Auctionata einfach zu früh in der Zukunft war? Da ist sicher was dran. Doch was beim Online-Shopping für Jacken und Schuhe gilt, nämlich dass man Farben und Texturen eigentlich nur live beurteilen kann, gilt für Kunst erst recht. Nur, dass sie viel teurer ist. Und dass man das Geld nicht zurückbekommt, wenn man sie einfach im nächsten Paketshop abgibt.

Mehr über Cookies erfahren