Ausstellungen

„Ein Gott – Abrahams Erben am Nil“ im Bode-Museum

Aktuelle politische Großwetterlagen mittels antiker Objekte zu reflektieren ist nicht einfach, gelingt aber im Bode-Museum mit „Ein Gott – Abrahams Erben am Nil“ gut. Die von drei Berliner Museen realisierte Ausstellung – beteiligt sind das Ägyptische Museum sowie die Häuser für Islamische und Byzantinische Kunst – wirft einen Blick auf das Zusammenleben der drei großen monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam in Ägypten von der Antike bis ins Mittelalter. ?Es mag heute unter dem Eindruck von Islamismus und den Gräueltaten des sogenannten Islamischen Staats fast irreal wirken, aber Ägypten hat, wie auch andere Länder im Nahen Osten, eine lange Geschichte friedlicher und lebendiger Koexistenz aller drei Buchreligionen. Bis heute gilt dies im weiteren Sinne für das Zusammenleben der koptischen Christen, der größten Minderheit Ägyptens, und der muslimischen Mehrheit. Von der einstmals stolzen jüdischen Gemeinde Ägyptens ist, abgesehen von einigen Synagogen, aber fast nichts geblieben. Dabei gehen die ältesten durch archäologische Funde belegten Zeugnisse jüdischen Lebens in Ägypten sogar bis ins 5. Jahrhundert v. Chr. zurück.?“Als wir begonnen haben, die Ausstellung zu planen, war natürlich nicht klar, wie aktuell das Thema jetzt sein würde“, sagt Professorin Friederike Seyfried, die Direktorin des Ägyptischen Museums, „gleichzeitig sind wir froh über die Chance, zeigen zu können, welche Relevanz archäologische Objekte für ein aktuelles Thema haben können.“ Die Konzentration auf Ägypten, so Seyfried weiter, erkläre sich zum einen aus den Sammlungsbeständen – wichtiger aber noch sei die Möglichkeit, auch den Alltag der Menschen in dieser Region darstellen zu können.
Die Geschichte der drei monotheistischen Religionen in Ägypten, das ja schon in Thora, Bibel und Koran keinen unwichtigen Platz einnimmt, war aber auch damals keineswegs immer friedlich. Insbesondere unter den Römern kam es immer wieder zu Juden- und Christenverfolgungen, die sich oft über das gesamte Reich erstreckten. Aber auch untereinander kam es immer wieder zu Zusammenstößen, hier allerdings ebenso zwischen den Religionen wie zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen innerhalb derselben Religion.
Um die Geschichte der Nachfahren Abrahams, der in allen drei Buchreligionen als Stammvater angesehen wird, darzustellen, ist ein Parcours von Räumen eingerichtet, der von der Antike und den Verfolgungen durch die Römer ausgehend die drei Religionen vorstellt, auf ihre Eigenheiten eingeht und sich abschließend dem Alltag widmet. Die Exponate reichen dabei von reich verzierten Tellern über Ausschnitte aus den drei heiligen Büchern und Bekleidung aus der damaligen Zeit bis hin zu eigens für die Ausstellung in Ägypten gedrehten, kurzen Dokumentarfilmen, in denen die Angehörigen der drei Religionen zu Wort kommen.
Besonders spannend wird es bei den abschließenden Stationen, die sich dem Alltagsleben widmen, denn die Lebenswelt der meisten Ägypter in der Spätantike und im Mittelalter ähnelte sich sehr stark, ganz gleich, welcher Religion sie angehörten. Aber auch schriftliche Aufzeichnungen wie die Geniza-Dokumente, ein im 19. Jahrhundert wiederentdecktes Gemeindearchiv der Kairoer Ben-Esra-Synagoge, deren älteste Schriftstücke bis ins 10. Jahrhundert zurückgehen, zeugen von den Gemeinsamkeiten und guten Beziehungen der Religionen untereinander während dieser Zeit.

Text: Philipp Koch

Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst / Antje Voigt

Bode-Museum Am Kupfergraben, Mitte, ab 2.4., Di–So 10–18, Do bis 20 Uhr

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