Ausstellungen

Elaine Sturtevant im Hamburger Bahnhof

Elaine Sturtevant im Hamburger Bahnhof

Gleich am Eingang hängt eine Fotografie von Joseph Beuys. Oder ist er das gar nicht? Filzhut, Anglerweste – die Insignien stimmen. Doch getragen werden sie von Elaine Sturtevant, U.S.-amerikanische Pionierin der Appropriation Art. Auf dem Foto eignet sie sich dann auch die Künstlerfigur Beuys an, dessen Arbeiten sie in den späten 60ern wiederholte, nicht nur seine Zeichnungen, sondern sie spielte ebenfalls Beuys’ Aktionen nach, als er noch recht unbekannt war. Auch Jasper Johns’ Flaggen und Roy Lichtensteins „Laughing Cat“ (Abb.) hat sie dupliziert, reinterpretiert und mit ihren „Anti-Readymades“ das Konzept der Originalität ebenso hinterfragt wie die Mechanismen von Kunstrezeption und -markt. Im Hamburger Bahnhof sind rund 100 frühe Zeichnungen der hierzulande noch viel zu unbekannten Konzeptkünstlerin zu sehen (passt wunderbar zu Edward Ruscha eine Etage tiefer, „Sammlung Marzona“). Doch man hätte sich gefreut, wenn Sturtevant (1924–2014) in einer größeren Retrospektive vorgestellt worden wäre. Sie ist mit ihrer Ästhetik der Wiederholung eine der einflussreichsten – man denke nur an Warhols Pop-Art – Künstlerpersönlichkeiten der zweiten Häfte des 20. Jahrhunderts.     

Text: Stefanie Dörre

Foto: Axel Schneider, Frankfurt am Main / Estate Sturtevant, Paris / Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, Paris/Salzburg

Hamburger Bahnhof 
Invalidenstraße 50-51, Tiergarten, ?Di, Mi, Fr 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr, ?Sa+So 11–18 Uhr, bis 23.8.

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