• Kultur
  • Ausstellungen
  • Elf Künstler revolutionieren das System: „Vereinigung der XI“ im Bröhan- Museum

Gruppenausstellung

Elf Künstler revolutionieren das System: „Vereinigung der XI“ im Bröhan- Museum

Pionier-Ausstellung: Das Bröhan-Museum stellt erstmals die 1892 gegründete Berliner „Vereinigung der XI“ vor. Seither gibt es Künstlergruppen, Kunsthandel und Maler als Kuratoren – also einen modernen Kunstbetrieb

Franz Skarbina: „Promenade in Karlsbad 1890-1894“, Copyright: bpk / Jürgen Liepe

„Diese Kunst ist ein Verbrechen“, urteilte Hans von Bülow, „bizarre Vereinsmeierei“, befand Alfred Rosenberg. Schon die Gründung der Künstlergruppe erregte die Gemüter: 1892 hatten sich elf Maler zur „Vereinigung der XI“ zusammengeschlossen – aus Protest gegen die traditionell geprägte Akademie im Wilhelminischen Berlin. Auf der Suche nach Veränderung verblüffte die Avantgardetruppe mit selbst kuratierten Ausstellungen.

Mit impressionistischen, symbolistischen, realistischen und naturalistischen Bildern bespielten sie das Palais Redern Unter den Linden, wo heute das Hotel Adlon steht. Dort präsentierten sie im Schnitt 60 Arbeiten – juryfrei– im Kunstsalon Schulte. Das Publikum strömte herbei, das Presseecho auf die experimentellen, anti-akademischen Werke war enorm. Es war der Beginn einer neuen Ausstellungspraxis – die der kommerziellen Galerien und der ersten Künstlerkuratoren. Max Liebermann, Walter Leistikow, Franz Skarbina und ihre Mitstreiter können somit als Vorreiter des modernen Kunstbetriebs gelten.

„Die Künstler führten den Kunsthandel als neues Präsentationsforum für Ausstellungen ein. Sie verhandelten hart. Der Galerist bekam eine Verkaufsprovision“, erklärt Kuratorin Sabine Meister. Sie hat mit der Ausstellung „Skandal! Mythos! Moderne!“ über die Vereinigung der XI eine Pioniertat vollbracht. „Die Gründung der Gruppe fiel in eine Zeit, in der es hierzulande noch keine Künstlergruppen gab“ – und kaum private Galerien. Der französische Impressionismus war noch nicht in Berlin angekommen, auch das besorgten die elf.

Die Aufregung über die autonome Avantgardegruppe war entsprechend. Vergleichbar einem Shitstorm, hagelte es rund 50 kritische Artikel über den ersten Auftritt im modern elektrifizierten Oberlichtsaal am Pariser Platz. Kaum zu glauben, dass der Einsatz von grüner und blauer Farbe im „Blumenkorso“-Pastell von Skarbina die Betrachter auf die Palme brachte. Zusammen mit Museumskuratorin Anna Grosskopf beleuchtet Sabine Meister im Bröhan-Museum nun erstmals dieses spannende Stück Berliner Kunstgeschichte. Es währte bis 1899. Dann ging die Vereinigung der XI nahtlos in die Berliner Secession über.

Rund 100 Werke versammelt die schöne, auf langjährigen Recherchen basierende Schau. Der junge Leistikow sei „wahrscheinlich der Initiator der elf“ gewesen, sagt Anna Grosskopf. Für den Ältesten, den 45-jährigen Liebermann, habe die Teilnahme den „Durchbruch“ bedeutet. Bis dato war der Maler in Deutschland nicht akzeptiert. Seine „Armeleutemalerei“ stieß überwiegend auf Ablehnung. Beiden Künstlern ist ein monographischer Raum gewidmet. Der in sieben Kapitel gegliederte Ausstellungsrundgang verhilft aber auch teilweise vergessenen Künstlern zu einem glanzvollen Auftritt. Zu Beginn etwa Jacob Alberts, dem Maler der Halligen, mit seinem detailverliebtem Realismus puzzeliger Spinnrad-Stuben. Vom ausgepinselten Naturalismus bis zum Impressionismus reicht das Spektrum, vom feinsinnigen Symbolismus eines Ludwig von Hofmann oder Max Klinger bis zu den Glanzstücken von Skarbina, dem Maler des Pariser und Berliner Lebens. Auffällig ist die große Stilpluralität und Individualität. Anything goes, galt offenbar schon damals.

Skandal! Mythos! Moderne! Die Vereinigung der XI in Berlin Bröhan-Museum, Schloßstr. 1a, Charlottenburg, Di–So 10–18 Uhr, bis 15.9. 3323

Mehr über Cookies erfahren