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Erez Israeli in der Galerie Crone

Erez Israeli in der Galerie Crone

An der Spüle klebt noch Ölfarbe von Norbert ­Bisky. Am Hocker auch. Nicht nachlässig viel, bloß ein paar hartnäckige Stellen. Aber die Farbnuancen sind so was von Bisky. Dabei ist der seit Mitte Januar in Tel Aviv. Und hat sein Atelier in der Boxhagener Straße Erez ­Israeli überlassen, dem bildhauenden Shootingstar aus ­Israel. „Studio swap“ heißt das. Ende März werden die Werke beider Künstler in Berlin präsentiert. Auf Bötzow in Prenzlauer Berg und in der Galerie Crone in Kreuzberg.
In Berlin kennt man Erez Israeli nicht bloß als den Typen, der sich mal einen Davidstern auf die Haut genäht hat (natürlich fragen immer alle danach, aber es blieben keine Narben), sondern auch als den, der in gigantischen Lettern „Felix Israel“ auf die Brandwand am Künstlerhaus Bethanien schrieb. Im Street-Art-Style. Felix Israel hatte das Gebäude 1912 gemeinsam mit seinem Bruder Leo – beide waren Eigentümer der Beleuchtungsfirma Lichtfabrik und flohen 1933 vor den Nazis – errichten lassen.
Seit Jahren schon ist Erez Israeli jeden Sommer hier. Er liebt das Berghain. Aber als Künstler braucht man eben noch ganz andere Infos: „Norbert hat mir Tipps gegeben, wo man hier gute Farben kaufen kann“, sagt er. Die kann er jetzt verwenden, im 400-Quadratmeter-Studio von Bisky. Fünfmal größer als Israelis Atelier in Tel Aviv.
Überhaupt entspannen Israeli die Dimensionen in Berlin: „Die Kunstwelt in Tel Aviv ist sehr klein. Jeder kennt jeden. Jeder steckt die Nase in dein Studio. Die Kunstkritik in Berlin verurteilt nicht so schnell. In Tel Aviv heißt es: leben oder sterben.“ Andererseits seien sich beide Städte ähnlich und dabei zu null Prozent repräsentativ für ihre Länder insgesamt. „Kreuzberg erinnert mich an das Florentin-Viertel in Tel Aviv.“ Berlin gelte in Tel Aviv als Zentrum der Kunst, wiewohl man wisse, dass hier nicht das große Geld sitze. „Aber das ist für mich kein Kriterium.“

Erez Israeli

Unterstützt wird der Studio-Swap von Bisky und Israeli von deren Galerien, aber auch durch die Berliner Agentur Schir, die sich der Vernetzung von Künstlern aus Deutschland und Israel widmet. 164 Künstler und Kuratoren sind mithilfe von Schir ins jeweils andere Land gefahren – für einen Vortrag, für eine Ausstellung, für eine Arbeit mit einem anderen Künstler. Friederike Schir, der Kopf hinter der Agentur, setzt dabei auch auf „Themen abseits der etablierten Diskurse“, wie sie sagt. „Nicht bloß Vergangenheitsbewältigung, christlich-jüdische Themen oder Nahostkonflikt.“ Sie beobachtet in den letzten fünf Jahren eine „deutliche Professionalisierung“ in der israelischen Kunstszene. Zudem sei man in Tel Aviv oft viel spontaner als in Berlin: „Auch große Projekte werden innerhalb weniger Monate aufgezogen, etwa die Kunstmesse Fresh Paint, eines der größten Events für zeitgenössische Kunst in Israel.“ Demgegenüber steht das Ungleichgewicht: 500 israelische Künstler in Berlin bei nur etwa 20 bis 30 Berliner Künstlern in Israel, wie Schir schätzt.
Seit 2012 betreibt Schir ein Residency-Programm für israelische Künstler in der deutschen Hauptstadt – vier pro Jahr, jeweils für drei Monate, um Einblicke in die Kunstszene zu gewinnen. So ist auch Erez Israeli von Juli bis September 2013 nach Berlin gekommen. Derzeitige Residentin ist bis April die Videokünstlerin Orr Menirom.
Noch mehr Arbeiten von jungen zeitgenössischen Künstlern aus Israel kann man bald gleich mehrfach in Berlin sehen. Zum einen in der „Baggage“-Gruppenausstellung ab 14. März in der Galerie neurotitan in Mitte, unter anderem mit der „Straßen-Poetin“ Nitzan Mintz und dem Konzeptkünstler Dede.
Und zum anderen ab Ende März im Martin-Gropius-Bau in der „Jahrhundertzeichen“-Ausstellung. Das Tel Aviv Museum of Art schickt etwa 70 Meisterwerke erstmals nach Europa – die Highlights der Collection, auch Pollock, ­Picasso, Rothko, aber im Dialog mit zeitgenössischen Künstlern.
„Einige dieser Künstler, wie Yael Bartana, leben immer mal wieder in Berlin. Gab es in Israel denn keine Vorbehalte, die Schätze der Sammlung nach Berlin zu verleihen, sogar next door zur Topographie des Terrors? „Nein, nein!“, erwidert Suzanne Landau mit Nachdruck. Sie ist Direktorin des Museums in Tel Aviv und Teil des Kuratorenteams für die Berliner Schau. „Berlin ist der richtige Ort“, sagt sie, „auch um die 50 Jahre diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland zu würdigen.“
Mit Ministerpräsident Netanjahus Vorschlag, alle Juden sollten nach Israel kommen, kann Suzanne Landau nichts anfangen. Erez Israeli übrigens auch nicht: Er will im Sommer wieder nach Berlin. Am liebsten für ein Jahr. Norbert Bisky würde sicher tauschen.

Text: Stefan Hochgesand

Foto: Benjamin Pritzkuleit; David Brandt für Künstlerhaus Bethanien

Termine:

Baggage Galerie neurotitan, ?Rosenthaler Straße 29, Mitte, 14.3.–6.4.

Jahrhundert­zeichen Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, Kreuzberg, 27.3.–21.6.

Norbert Bisky: „Balagan“ Bötzow Berlin, ?Prenzlauer Allee 242, Prenzlauer Berg, 27.3.–30.8.

Erez Israeli: ?“Berlin 2015″ Galerie Crone, ?Rudi-Dutschke-Straße 26, Kreuzberg, 28.3.–25.4.

Lesen Sie auch das Interview mit Norbert Bisky

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