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Erich Heckel im Brücke-Museum Berlin

ErichHeckel_ZweiMaenneramTischSeltsam abgehackt wirken seine Handbewegungen. Der ganze Körper scheint eingekapselt, die wasserblauen Augen nach innen gewendet, ironisch sekundiert vom Alpenglühen: „Der Freund“ nennt Erich Heckel sein Porträt von 1917, das niemand anderen zeigt als Ernst Ludwig Kirchner, der einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte und sich nun in Davos auskurierte.
Beeindruckend auch Heckels raumgreifendes Triptychon der „Genesenden“: Das ausgezehrte Ebenbild seiner siechen Frau richtet sich im maigrünen Nachthemd auf, flankiert von einem zart blühenden Bäumchen einerseits und schwer dräuenden, überreifen Sonnenblumen andererseits. Dass die beiden Optionen des Krankheitsverlaufs nicht wie ein betuliches Gleichnis wirken: Darin zeigt sich Heckels Kunst. Alle drei Tafeln hält ein gold-orangefarbener Vorhang zusammen – ein Geschenk seines Bruders aus Afrika. Dieser schmückte sein bescheidenes Dachstuben-Atelier in der Steglitzer Mommsenstraße. Der einstige Folkwang-Chef Gosebruch war bestürzt angesichts der „grenzenlosen Dürftigkeit dieser Dachquartiere“.

Doch es geht auch entspannt zu in der größten Heckel-Schau seit 1983. Besonders Badende hatten es dem gebürtigen Sachsen angetan. Nackt lümmeln sie sich vor windzerzausten Bäumen  am Ostseestrand. Seine Technik des Übereinandermalens vieler transparenter Farbschichten lässt das Licht aus der Tiefe scheinen. Innerhalb der Brücke-Gruppe war Heckel stets derjenige auf der Suche nach Harmonie. Dass dies nicht automatisch in Langeweile umkippt, lässt sich nun im Grunewald bestaunen.     

Text: Martina Jammers
Foto: Nachlass Erich Heckel Hemmenhofen

(tip-Bewertung: Sehenswert)

Erich Heckel – Aufbruch und Tradition?
im Brücke-Museum, Mi-Mo 11-17 Uhr, bis 16.1.2011

 

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