Fotografie

Europäischer Monat der Fotografie 2018

Der Europäische Monat der Fotografie verteilt sich in ganz Berlin auf 120 Orte. Eine zentrale Ausstellung gibt es offi­ziell nicht. Inoffiziell ist es „Back to the Future“ bei C/O Berlin

Bownik, Disassembly #9, 2012

Besonders schön sind die Cyanotypien von Anna Atkins. Cyan ist ein faszinierend blauer Farbton, Anna Atkins eine englische Botanikerin. Algen, Flechten und Blätter legte sie direkt auf das von ihr lichtempfindlich gemachte Papier. Durch die Sonneneinstrahlung wurde es nach 20 Minuten blau, nur dort, wo die Pflanze das Licht abhielt, blieb es hell. Anna Atkins ist trotz ihres modernen Namens und scheinbar modernen Stils keine zeitgenössische Künstlerin, sondern die erste Fotografin überhaupt. Todesjahr 1871.

Einige dieser Unikate sind nun in Berlin zu sehen. Ann-Christin Bertrand, Kuratorin bei C/O Berlin, ist es gelungen, Atkins’ fragile und wertvolle Cyanotypien als Leihgaben vom Pariser Musée national d‘histoire naturelle nach Charlottenburg zu holen, um einen frappierenden visuellen Bogen zwischen den 19. und dem 21. Jahrhundert aufzuzeigen. Sie hängen nun in der Ausstellung „Back to the Future“ gemeinsam mit der Arbeit „Five Minutes to the Sun“ von Douglas Mandry. Er hat im Jahr 2014 seine Cyanotypie einfach ins Sonnenstudio gebracht.

Warum beschäftigt sich Mandry ebenso wie so viele andere junge Künstler*innen mit den fotografischen Techniken des 19. Jahrhunderts? Ann-Christin Bertrand ist dieser Frage nun gemeinsam mit Kim Knoppers vom Foam – Fotografiemuseum Amsterdam – nachgegangen. Zu allem, sagt Bertrand, gebe es auch eine Gegenbewegung. „Die digitale Fotografie ist ihrem Wesen nach eher immateriell und verbreitet sich extrem schnell über die digitalen Kanäle. In dieser Situation entdecken die Fotografen den Reiz der Materialität, das Prozesshafte und das Unikat wieder.“

Diese Entwicklung ist spielerisch, experimentell. So zerlegt Bownik Pflanzen in ihre Einzelteile, nummeriert diese und setzt sie danach mit Fäden und Klebestreifen wieder zusammen, bevor er sie im Stil früher Botanikfotos ablichtet. Bei anderen Fotograf*innen kommen 3D-Drucker, Photoshop und Hologrammtechnik genauso zum Einsatz wie Fotopapier. Hybride, experimentelle Werke entstehen so. „Das Medium Foto­grafie steht durch die Digitalisierung am Anfang einer ganz neuen Entwicklung“, sagt Ann-Christin Bertrand, „so dass wir aktuell ein ähnliches Mindset haben wie damals in den Anfängen der Fotografie. Die Fotografen sind genau wie damals extrem offen für Experimente.“ Rund 300 Arbeiten hat sie mit Kim Knoppers zusammengestellt, viele historische Aufnahmen mit Bildern von 30 zeitgenössischen Fotograf*innen in einen Dialog gebracht.

„Back to the Future“ umspannt damit nicht nur zwei Jahrhunderte, sondern positioniert auch das Medium Fotografie neu: Als eines, das in der digitalen Bilderflut nicht am Ende ist, sondern mitten in einer Revolu­tion steckt. Das eine analogen Vergangenheit hat und am Anfang einer digitalen Zukunft steht. Das nicht weiß, wo es hingeht, aber sich souverän selbst hinterfragt.

Nur folgerichtig, dass C/O zum zweiten Mal die Opening Days des Europäischen Monats der Fotografie (EMOP) ausrichtet. Um „Zeitlichkeit“ wird es dann in Vorträgen und Panels gehen, u.a. mit den Ikonen Martin Parr und Nicholas Nixon.

C/O Berlin Back To The Future, Sa 29.9.–So 2.12., tgl. 11–20 Uhr, Hardenbergstr. 22–24, Charlottenburg

Weitere Infos zum Europäischen Monat der Fotografie gibt es hier

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