Fotografie

European Month of Photography 2016

Der diesjährige European Month of Photography präsentiert 130 Ausstellungen an 120 Orten – und macht Berlin zur Fotometropole

Botschaft von Mexiko Kike Arnal: Samen aus der Serie Voladores, 2014, © Kike Arnal

Leuchtend grüne Augen, die mit durchdringendem Blick in die Kamera schauen, umrahmt von einem rostroten Tuch. Das Foto „Afghanisches Mädchen“, das Steve McCurry 1984 in einem Flüchtlingslager aufnahm, ist weltbekannt. Rund 30 Jahre später ist der Magnum-Fotograf Ehrengast der Berlin Foto Biennale, die fast zeitgleich mit dem European Month of Photography (EMOP) stattfindet, vormals Monat der Fotografie.
Das seit 2004 stattfindende Fotografiefestival ist – Umbenennung hin oder her – die wichtigste Veranstaltung für Fotografie in der Stadt.  Was sich eben auch daran  zeigt, dass andere Events wie die Berlin Foto Biennale sich in seinem Rahmen präsentieren. Da diese Ausstellung im Palazzo Italia mit mehr als 400 Künstlern allerdings nicht durch die Jury des EMOP ausgewählt wurde, ist die Kooperation ein kleines Wagnis. Deshalb hält man durch den Titel „Assoziierter Partner“ vorsichtshalber ein bisschen Abstand – auch wenn die Macher der Foto Biennale mit dem Gedanken spielen, die Veranstaltung künftig immer in Berlin stattfinden zu lassen.

Die Idee ist nicht abwegig, hat doch Berlin als Fotostadt in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Am Zoologischen Garten haben sich die drei wichtigsten Fotografie-Institutionen der Stadt, nämlich C/O Berlin, das Museum für Fotografie und die Helmut Newton Stiftung, inzwischen zu einer Art Fotocluster zusammengeschlossen und eine enge Zusammenarbeit vereinbart, die nun startet.
Denn dort beginnt der diesjährige Monat der Fotografie mit den neu eingeführten EMOP Opening Days am Eröffnungswochenende vom 29. September bis zum 2. Oktober. Bei C/O  – wo man Fotografie schon immer auch als intellektuelle Herausforderung begriffen hat –  diskutieren dann bekannte Fotografen, Kuratoren und Medienexperten über „Filtering the Future“. Im Museum für Fotografie präsentieren 36 Verlage ihre neuen Publikationen aus dem Bereich Fotografie.

Diese Auftaktveranstaltung führt dann hinein in 31 Tage Fotokunst mit 130 Ausstellungen an 120 Orten, die in diesem Jahr ohne ein gemeinsames Motto auskommen müssen. Während vor zwei Jahren noch ein dezidiert politisches Oberthema für den Monat der Fotografie ausgerufen wurde, hat man dieses Jahr komplett darauf verzichtet. So ist das Themenspektrum vielfältiger und behandelt nicht nur die erwartbare Auseinandersetzung mit der Flüchtlingskrise.
Eine weitere Neuerung des EMOP Berlin ist der Verzicht auf die Präsentation der Zentralausstellung in Kooperation mit den Partnerstädten. Und das, obwohl gerade diese 2014 großen Anklang gefunden hatte. Der im Juni verstorbene Berliner Kurator Frank Wagner, der vor zwei Jahren „Memory Lab. Die Wiederkehr des Sentimentalen“ im Martin-Gropius-Bau präsentiere, war vor seinem Tod auch dieses Mal maßgeblich an der Zentralausstellung „Looking for the Clouds“ beteiligt, die in anderen Partnerstädten wie Wien, Budapest und Bratislava zu sehen sein wird. Berlin hat sich gegen die zentrale Schau entschieden – zugunsten der EMOP Opening Days, setzt also nicht auf eine weitere Ausstellung, sondern auf ein neues lebendiges, diskursives und für Überraschungen gutes Format zwischen Panel und Party.

EMOP Berlin – European Month ofphotography 2016
130 Ausstellungen an 120 Orten, 1.–30.10., www.emop-berlin.eu

Veranstaltungen

EMOP opening days
C/O Berlin, Amerika Haus, Hardenbergstr. 22–24, Charlottenburg, 29.9.–2.10.,
www.co-berlin.org/emop-opening-days

Berlin Foto biennale 2016
Palazzo Italia, Unter den Linden 10, Mitte, 6.–30.10.

Tag der offenen Labore
Ein Blick hinter die Kulissen, für Hobbyfotografen und semiprofessionelle Fotografen
diverse Orte, 15.+16.10., Eintritt frei

Ausstellungstipps

Berlinische Galerie: „Fotografien in Berlin 1900–1980“
Die Berlinische Galerie zeigt Teile ihrer fotografischen Sammlung, die zu einer der bedeutendsten in ganz Deutschland gehört, u.a. mit Heinrich Zilles Straßenfotografien und Naturaufnahmen von Fritz Kühn.
Alte Jakobstr. 124, Kreuzberg, Mi–Mo 10–18 Uhr, 1.– 31.10., Eintritt 10/7€

BFF Kantgaragen-Palast: „BFF Triebwerk – Reduktion“
In der denkmalgeschützten Charlottenburger Location zeigen 54 Fotografen und Fotografinnen des Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter aktuelle Tendenzen der Bildsprache.
Kantstr. 126, Charlottenburg, Do 19–24, Fr 12–18, Sa 10–20, So 10–16 Uhr, 6. – 9.10., Eintritt frei

Botschaft von Mexico im Kunstraum Bethanien/Studio 1: „Voladores. Tanz der Fliegenden Männer“
Fotograf Kike Arnal hat sich mit einem Ritual aus indigenen und katholischen Elementen befasst, das in Mexiko zu Festen gehört: Voladores stellen einen Pfahl auf, fliegen und tanzen – mit einem Seil angebunden – darum herum und bitten die Schutzheiligen um Fruchtbarkeit und Wasser.
Mariannenplatz 2. Kreuzberg, 18.10.–1.11., Mo-So 12–19 Uhr, Eintritt frei

Centrum Judaicum: „Berlin lebt auf! Die Fotojournalistin Eva Kemlein (1909–2004)“
Die jüdische Bildjournalistin Eva Kemlein dokumentierte das Nachkriegsleben in Berlin, die Sprengung des Stadtschlosses und das Theaterleben, zu sehen sind u.a. Porträts von Helene Weigl und Ernst Busch.
Oranienburger Str. 28, Mitte, So–Do 10–18 Uhr, Fr 10–15 Uhr, 7.10.–30.4.2017, 5/ erm. 4€

C/O Berlin: „Dont start with the good old things but the bad new ones“
Das Künstlerduo Adam Broomberg und Oliver Chanarin hinterfragt Dokumentation und Verbreitung von Brutalität, indem es Fotografien von Krieg, Terror und Gewalt Texten von Bertolt Brecht und aus der Bibel gegenüberstellt. Eröffnung im Rahmen der EMOP Opening Days.
Amerika Haus, Hardenbergstr. 22-24, Charlottenburg, Mo–So 11–20 Uhr, 30.9.–4.12., 10/8€

Galerie Schuster: „Room Portraits“
Der Fotograf Menno Aden zeigt Räume aus der Vogelperspektive, die Bilder erinnern an Überwachungskameras, sind aber aus vielen Einzelaufnahmen zusammengesetzt.
Hardenbergstr. 9, Charlottenburg, Di–Fr 13–18 Uhr, Sa 11-16 Uhr, 1.–31.10., Eintritt frei

Jörg Maas Kunsthandel: „Charles Johnstone – Havanna – New York – Venice“
Der Autodidakt Charles Johnstone fängt menschenleere Momente an sonst lebendigen Orten ein. Klare Linien und satte Farben bestimmen den Aufbau der quadratischen Bilder.
Rankestr. 24, Charlottenburg, Mo–Fr 10–18 Uhr, 7.10.-11.11., Eintritt frei

Landesarchiv: „Architektur auf Glas – Fotografien von Otto Hagemann“
Als Chronist des Neuen Bauens Berliner Wohnungsgesellschaften fing der Architekturfotograf Otto Hagemann verschiedenste Gebäudemotive auf großformatigen Glasplatten ein.
Eichborndamm 115, Borsigwalde, Mo–Fr 10–17 Uhr, 21.10.–26.2.2017, Eintritt frei

Museum der Fotografie
Als Fotoreporter dokumentierte Bernd Larsson ab 1961 das Alltagsleben in Ost- und West-Berlin.
Jebensstr. 2, Charlottenburg, Di, Mi, Fr–So 11–19 Uhr, Do 11–20 Uhr, 19.8.-8.1., Eintritt 10/5 €

Neue Schule für Fotografie: „Leica Oskar Barnack Award 2016“
Gezeigt werden Arbeiten der 12 Finalist des diesjährigen Leica Oskar Barnack Arwads, eines der höchstdotiertesten Fotopreise überhaupt.
Brunnenstr. 188, Mitte, Mo-So 14–20 Uhr, 29.9.– 23.10., Eintritt frei

Willy-Brandt-Haus: „Berlinische Fragmente – Fotografien von Rainer König“
Mit dem Auge fürs Detail und Sinn für Geometrie lichtete der studierte Architekt Rainer König Berlin im Kleinen ab.
Stresemannstr. 28, Kreuzberg, Di–So 12–18 Uhr, 23.9.-6.11., Eintritt frei (Ausweis erforderlich)

Institut français Berlin: „Jean-Marie Périer Retrospektive. Eine Geschichte der Sechziger Jahre“
Bob Dylan, die Beatles, Mick Jagger, Alain Delon – Jean-Marie Périer zeigt in seiner Retrospektive Porträts von Stars der 60er-Jahre und erinnert damit an das Glück vergangener Zeiten.
Kurfürstendamm 211, Charlottenburg, Mo–Sa 14–18 Uhr, 1.10.-14.1.2017, Eintritt frei

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