Ausstellungen

Eva Besnyö in der Berlinischen Galerie

Eva_BesnyoeDie Zahl der ungarischen Fotografen, die aufgrund protofaschistischer Repressionen ihr Heimatland verließen, ist Legion: Moholy-Nagy, Brassaп, Kertйsz, Munkбcsi. Das Charlottenburger „Verborgene Museum“, das mit seinen sorgsamen Recherchen schon viele vergessene Künstlerinnen ausgegraben hat, stellt nun in der Berlinischen Galerie Eva Besnyö (1910–2003) vor. Als man dem 19-jährigen Mädchen aus jüdischem Elternhaus ein Buch mit den Aufnahmen des neusachlichen Fotografen Renger-Patzsch schenkt, ist es um sie geschehen: „Es gab mir eine ganz neue Perspektive.“ Und tatsächlich: Der unbefangene Blick wie kühne Diagonalen prägen Besnyös Bildsprache ganz entschieden.

Für zwei Jahre – von 1931 bis 33 – lernt (im Avantgarde-Atelier Peter Weller am Nollendorfplatz) und lebt sie in Berlin (in der Nachodstraße). Paris ist out, hatte ihr ein Freund zu verstehen gegeben. Geliebt hat sie die Vogelperspektive, so etwa, wenn sie die eigentümlich leere Starnberger Straße einfängt, wo ein Eckcafй, eine Litfaßsäule und lange Schatten ein Ensemble wie auf de Chiricos Gemälden bilden. In extremer Aufsicht dokumentiert sie mit ihrer Rolleiflex 1931 den Alexanderplatz – damals die größte Baustelle der Welt. Besnyö zeigt das bunte Nebeneinander von Pferdetransporten, Arbeiten beim Ausschachten der U-Bahn und Damen mit Kapotthütchen. Die „Operation am offenen Herzen“ ist eine Fundgrube für die Fotografin.

Mehr noch als die Personen interessiert sie aber die formale Strenge, ein untrügliches Gespür für spannungsvolle Kompositionen leitet sie. So steht die vom Wind zerzauste Frisur einer frierenden und folglich gekrümmten Badenixe im Kontrast zum hart verkanteten Badesteg. Ihr berühmtestes Foto gelang ihr mit dem kindlichen Straßenmusikanten, der sein riesenhaftes Cello schultert. Ein Symbol für Juden auf Wanderschaft? Anfang der 30er-Jahre emigiert die Jüdin nach Amsterdam. Ihr Spektrum reicht von Architekturaufnahmen über Rotterdamer Ruinenbilder bis hin zu eindringlichen Künstlerporträts. Mit der Kamera begleitet sie ab 1970 die Frauenbewegung „Dolle Mina“. Da hat sie, die zeitlebens eine Poetin blieb, wie sie selbst glaubte, die Balance zwischen Form und Inhalt erreicht.

Text: Martina Jammers

Foto: Eva Besnyö/Maria Austria Instituut Amsterdam

tip-Bewertung: Sehenswert

Eva Besnyö. Fotografin 1910–2003 Berlinische Galerie, bis 27.2.2012

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