Siebdruck

Exklusive Siebdruckedition: Kat Menschik – „Berlin Wild Life“

TipEditionKatMenschik_003_c_GerdMetzner

Alles in Handarbeit: Kat Menschik mischt in der Druckerei SDW-Neukölln die Farben an. Fotos: Gerd Metzer

Wer ist Kat Menschik, die hinter dem Bild mit den wilden Tieren in einem Berliner Hinterhof steht? Nach mehreren Wochen, in denen wir mit der Illustratorin an dem Siebdruck-Projekt zusammengearbeitet haben, erfahren wir mehr.

„In Paris kam der Knick“, sagt die resolute Mittvierzigerin, die stets gut gelaunt und begeisterungsfähig zu sein scheint. 1995 verbrachte Kat Menschik dort ein Austauschjahr an der Kunsthochschule, und weil der Lehrplan sie nicht ausfüllte, gab sie mit vier deutschen Kommilitonen ein selbst gemachtes Comic-Fanzine heraus. Es hieß „Spunk“, war postkartengroß und mit Tipp-Ex, Schere und Kopierer produziert. „Wir haben Comic- und Buchläden abgeklappert und gefragt, ob sie die Heftchen in Kommission nehmen und fast alle haben Ja gesagt. Da habe ich gesehen, wenn man sich traut, kann es funktionieren“, erinnert sie sich.

Strenger Vater

Dass man vom Zeichnen seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, wusste sie schon vorher, aber dass es auch kreativ und lustig sein kann, war neu. Menschik ist 1968 in Luckenwalde geboren und in Ost-Berlin aufgewachsen. Ihr Vater war Gebrauchsgrafiker, ein versierter Techniker und hervorragender Kalligraf, doch auch etwas streng und oberlehrerhaft, und so wehrte sich die Tochter gegen die väterlichen Ratschläge mit Händen und Füßen. Aber die Materialien lagen überall im Haus herum und die kleine Kat zeichnete den lieben langen Tag im Kinderzimmer oder am Küchentisch, nur eben auf ihre Weise. Und dabei blieb es.

TipEditionKatMenschik_005_c_GerdMetzner

Richtig durchgestartet ist sie nach der Rückkehr aus Paris. In Berlin studierte Menschik weiter an der HdK Kommunikationsdesign und gründete parallel dazu mit Jan Hülpüsch den Millionen-Verlag. Ein großspuriger Name, der viel verhieß, dem Zyniker aber nachriefen, es würde sich dabei um den Schuldenstand der Betreiber handeln.

„Ich wollte die Kraft aus Paris mitnehmen, aber alles besser und schöner machen“, sagt sie. Kerngeschäft war das heute legendäre „A.O.C.“-Magazin. Edel, limitiert, mit dreifarbigen Siebdrucken überzeugten sie renommierte Künstler wie Atak, Anke Feuchtenberger oder Henning Wagenbreth zur Mitarbeit. Zudem debütierten dort junge Grafiker und auch Menschik steuerte eigene Arbeiten bei. „Ich habe Bildgeschichten erzählt, mich aber bald von der Comic-Form wegbewegt“.

TipEditionKatMenschik_018_c_GerdMetzner

„A.O.C.“ lief gut, war aber die totale Ausbeutung, hinter den Mühen stand jedoch ein Konzept: „Ich hatte die Kraft dazu. Mich kannte niemand und bevor man nach dem Abschluss arbeitsloser Grafiker wird, habe ich auf mich aufmerksam gemacht.“ Der Plan ging auf: Just an jenem Tag, als sie Meisterschülerin wurde, rief Andreas Platthaus von der „F.A.Z.“ an, es gab Bedarf an interessanten Comicgeschichten für die Berliner Seiten. Punktgenauer hätte der Start in den Beruf nicht erfolgen können.

Und irgendwann riefen dann auch die Buchverlage an

Kat Menschiks Leben veränderte sich bald, sie wurde schwanger und der Millionen-Verlag abgewickelt, doch als Illustratorin war sie gefragter denn je. In der „F.A.Z.“ und ab 2001 in der „F.A.S.“ zeichnete sie das Feuilleton voll, Aufträge vom „Stern“ und der „Brigitte“ kamen hinzu und schließlich von den Buchverlagen.

„Das große Glück war, als ich ‚Schlaf‘, eine Kurzgeschichte von Haruki Murakami, bebildern durfte. Ich begann, Details aus dem Text herauszunehmen und diese dann in meinen Bildern weiterzuspinnen, sodass in den Bildern etwas anderes passierte als im Text.“ Kat Menschik fand ihre Bestimmung. Sie zeichnete surreale Landschaften zu isländischen Sagen, schuf expressive Tafelbilder zum Nibelungenlied, und weil ihr mythische Stoffe liegen, folgten in den nächsten zwei Jahren von ihr illustrierte Ausgaben des finnischen Epos „Kalevala“ und der nordischen Sagensammlung „Edda“. Traumprojekte, wie sie sagt. Ihr eigentliches Lebensprojekt erschien allerdings im März beim Galiani Verlag: Das opulente, im grün-goldenen Ton gehaltene Gartenbuch „Der goldene Grubber“ zeugt von ihrer langjährigen Leidenschaft für das Gärtnern. Es ist ein liebevoll gezeichneter Gartenratgeber mit Tipps, welche Werkzeuge man braucht, welche Pflanzen man wie und wann anpflanzt und was Lustiges im Garten passiert und was alles schieflaufen kann.

TipEditionKatMenschik_022_c_GerdMetzner

Für den tip verließ Kat Menschik die florale Welt und begab sich ins Reich der Fauna: ein Berliner Hinterhof, wie es ihn kaum noch gibt, mit abblätternder Farbe und alten Brandmauern – darin arrangiert ein Panoptikum der großstädtischen Wildtierwelt. Ein Waschbär lugt vom Baum herunter, Fuchs und Ente blicken artig drein, und auf einem Remisendach hausiert die Wildschweinrotte. „Mich hat interessiert, wie sich die Natur den Stadtraum zurückerobert“, erklärt Menschik und erzählt, wie sich im vergangenen Jahr eine Drossel ihr Nest in ihrem Fahrradkorb gebaut hat. „Das stand da in meinem Hof in Prenzlauer Berg und ich konnte wochenlang nicht Fahrrad fahren, sondern bin zu Fuß gelaufen, bis die Kinderstube leer war.“

kunstedition_katmenschik_246
Die Siebdruck-Edition „Berlin Wild Life“ ist ausverkauft

Mehr über Cookies erfahren