Ausstellungen

Expressionistische Bilder im Verborgenen Museum

Ilse_Heller_Selbstporträt
Dieser Blick wirkt mädchenhaft wie gründelnd. Vor allem grün – in mannigfaltigen Valeurs von Mimosengrün über Oliventupfern an Nase und Stirn bis hin zum Petrol des Hintergrundes. Ausgesprochen pastös hat Ilse Heller-Lazard (1884–1934) ihr Selbstporträt angelegt. Obwohl sich die in Metz geborene Malerin bereits 1919 mit 14 Gemälden an einer Ausstellung im renommierten Zürcher Kunsthaus beteiligte – fünf Jahre zuvor war sie bereits in Berlin zu sehen –, verschwand sie nach einem turbulenten Leben zwischen Haute Volйe und finanziellem Abstieg aus dem kulturellen Gedächtnis.

Das Verborgene Museum hat sie nun wieder ausgegraben, mit Unterstützung ihres Stiefsohnes, und stellt sie erstmals in einer Retrospektive vor. Es ist ein erstaunliches Konvolut zu bestaunen in der Schlüterstraße. Gegen den erbitterten Widerstand beider Eltern setzt sie mit ihrer ein Jahr jüngeren Schwester Lou, die eine mehrjährige Affäre mit Rilke verband, durch, von 1904–06 in München an einer Malschule das Handwerk aus dem Effeff zu erlernen. Mit der Auflage, nebenher die Basics der Hauswirtschaft zu erwerben, versteht sich. Nach dem Selbstmord ihrer Mutter flieht die Tochter aus gutem jüdischen Hause vor der väterlichen Strenge und setzt in Berlin ihr Studium bei Lovis Corinth fort. Dies spiegelt sich in ihrem Stil, der gleichwohl durch große Eigenwilligkeit besticht. In ihren Bildern, in denen die Farbe stets über die Sujets siegt, erblicken wir die helle Seite des Expressionismus, dem etwa Nolde oder Kirchner ein aufpeitschendes Antlitz verliehen hatten. Heller-Lazards Bilder sind stiller, doch keineswegs weniger kühn. So verzichtet ihre reduzierte „Dachlandschaft Paris“ selbstbewusst auf die üblichen Versatzstücke hoher Häuser mit Kamindächern und Notre Dame als Identifikationsmerkmal. Die perfekt orchestrierten Farben und kubischen Blöcke domi­nieren. Noch eloquenter ihr „Hinterhof mit Eiffelturm“, wobei der Stolz der Citй als grüne Marginalie in den Hintergrund verbannt ist. Auch in ihren „Kreidefelsen auf Rügen“ unterläuft sie die allzu oft gemalte Ikonografie.
Flankiert wird die üppig bestückte Ausstellung durch reizvolle Dokumente, welche die opulente häusliche Tischtafel im Metzer Bankiershaushalt ebenso zeigen wie ein Kollegenbild der Malerin beim Aktstudium und neckische Künstlerfeste in München und Rom.

Text: Martina Jammers

(tip-Bewertung: Sehenswert)

Der Auftrag der Farbe. Die Expressionistin Ilse Heller-Lazard (1884–1934)
Verborgenes Museum, Schlüterstraße 70, Charlottenburg,
Do-Fr 15-19 Uhr, Sa-So 12-16 Uhr, bis 31.1.

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