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Expressive Linien: Hans Hartung und Kollegen

Hans Hartung„Es ist diese Lust, die mich treibt: jene Leidenschaft, die Spur meiner Gestik auf der Leinwand oder auf dem Papier zu hinterlassen“, sagte der Informel-Künstler Hans Hartung 1952. „Dabei geht es um die Aktion des Malens, Zeichnens, Kratzens, Schabens.“ Die lässt sich nun anlässlich der vom Galeristen Clemens Fahnemann vermittelten Schenkung 213 druckgraphischer Werke der Fondation Hans Hartung & Anna-Eva Bergman in Antibes an das Kupferstichkabinett studieren. Das Gestisch-Impulsive wirkt durchaus kontrolliert und kalkuliert bei dem 1904 in Leipzig geborenen Mann der Linie, der von 1935 bis zu seinem Tod 1989 in Frankreich lebte. Dies zeigt sich besonders im Vergleich zum Chaosgekritzel eines Wols oder des früh verstorbenen Peter Brüning. Zu 60 Lithographien, Radierungen und Holzschnitten Hartungs wurden aus der hauseigenen Sammlung verwandte Werke bis hin zur Gegenwart gehängt. Was einen schönen Überblick über wesensähnliche Tendenzen der Abstraktion vermittelt. Meint der Begriff „art informel“, den ein französischer Kunstkritiker 1951 prägte, doch keinen bestimmten Stil, sondern eine Kunst, die sich von festen Formen (wie in der figurativen Kunst) frei macht und auch keine thematischen Anreize braucht. So gehen in dieser Schau Spontanität und Kalkül, Steuerung und Zufall immer neue Verbindungen ein. Zum analytisch-sachlichen Esprit Hartungs gesellen sich Jackson Pollocks Abstrakter Expressionismus und Damien Hirsts Zufallskonstrukt einer Zielscheibe, auf der Kleckse und Tropfen landen. Dialoge wie dieser anregende Austausch Informel-affiner Künstler demonstrieren Museumsarbeit, wie sie sein sollte: komparatistisch und Impulse gebend.    

Text: Andrea Hilgenstock

Abbildung: Hans Hartung/Fondation Hans Hartung & Anna Eva Bergmann


tip-Bewertung: Sehenswert

 

Vom Esprit der Gesten – Hans Hartung
Kupferstichkabinett, bis 10.10.2010

 

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