Ausstellungen

FischGrätenMelkStand in der Temporären Kunsthalle

Wer sich John Bock als Ausstellungsarchitekten ins Haus holt, muss sich nicht wundern, wenn Löcher in Fußboden und Wände gebohrt werden. Von Nudeln und Toast überwältigt, stellte sich der originelle Performancekünstler vor zehn Jahren auf der 11. Documenta vor. Damals wurde er vielleicht nicht von allen so ganz ernst genommen. Inzwischen jedoch ist der Kunstboden auf derartige Absurditäten eingestellt. John Bock, ein Philosoph mit Kinderaugen, trägt sein Utopia in die Welt und sieht zu, was passiert.

Für die letzte Ausstellung der Temporären Kunsthalle hat er wieder ins Volle gegriffen – als Kurator und unübersehbar wichtigster der von ihm ausgewählten 63 Künstlerinnen und Künstler, die er in seine begehbare dreistöckige Hausskulptur eingeladen hat. Wer schon immer gern auf ein Baugerüst klettern wollte, es aber nie wagte, darf nun Bocks Kunstgebäude erklimmen, auf einen winzigen Balkon mit Blick auf den Schlossplatz steigen, in absurde Privatgemächer eindringen und über luftige Stege balancieren. Hier hat Bock wie gewohnt rigoros die kreativen Diszi­plinen zusammengeführt: Architektur, Design, Mode, Musik, Zeichnung, Skulptur, Film, Foto, Werbung, Museales und vor allem Bock’sche Spielereien. Effektvoll verkohlte Pizzen, Autoreifen, jede Menge Brettzeug, Blech, Tuch und vielleicht nicht unbedingt sexy aussehende, aber sehr originelle Sockenwürste bilden das Wand­material für die eingewebten Objekte der Kreativkollegen. Nach den fremdelnden Ausstellungen mit Candice Breitz, Calzadilla & Caldoro, Katharina Grosse und Simon Starling hatten Künstlerinnen und Künstler das Kuratorium der Temporären Kunsthalle übernommen und etwas mehr Leben ins Haus gebracht. Mit John Bock findet das große Kunstprojekt Kunsthalle nun einen gebührenden Abschluss, bevor die BVG an gleicher Stelle den U-Bahnhof Museumsinsel baut.    

Text: Constanze Suhr
Foto: Jan Windszus

(tip-Bewertung: Sehenswert)

Termine: FischGrätenMelkStand
in der Temporären Kunsthalle, Schlossplatz, Mitte,
tgl. 11-18 Uhr, bis 31.8.2010

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