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„Floating Food“ im Haus der Kulturen der Welt

Floating_FoodIhr „Gästebuch der Religionen“ hat Ulrike Ottinger auf einer Treppe im Haus der Kulturen der Welt eingerichtet. Sie hat die Stufen in roten Stoff gehüllt, Schalen mit Wurzeln nach einem geheimen Ordnungsplan gruppiert. Geschnitzte Masken wachen über vergilbte Familienporträts. Die nachgebaute Kultstätte ist Teil einer poetischen Installation, die Ottinger über ihre Arbeit aus drei Jahrzehnten anlässlich der „Asien-Pazifik-Wochen“ eingerichtet hat. „Floating Food“ dreht sich um rituelle Orte und quasi-rituelle Alltagshandlungen in fernen Regionen wie der Mongolei, China oder Korea. Ein Wandelgang führt in dämmeriges Kinolicht und durch ihr filmisches Fernweh mit Ausschnitten aus „Südostpassage“ (2002), „Johanna d’Arc of Mongolia“ (1989) oder „Die koreanische Hochzeitstruhe“ (2009), ergänzt um Fotos, Kostüme und Fundstücke aus Ottingers Arbeits- und Reisearchiv.

Auf Streifzügen durch Markthallen oder Handelsstraßen entdeckt Ottingers unaufdringlicher Kamerablick rituelle Formen: etwa das Verpacken getrockneter Heilfrüchte in Seoul, das in symmetrischen Bewegungen zur heiligen Choreografie wird. Ihren Blick lässt die Wahlberlinerin frei gleiten – oft mit liebenswürdigem Staunen. Wenn sich im Kino-Loop „Fahrräder“ hunderte chinesische Händler mit Salatbergen oder Familienmitgliedern auf dem Gepäckträger abstrampeln, ist das kein allzu großer Sprung zu Kunstfilmen wie ihrer „Kolonial-Oper“ über die Eroberung der Kanarischen Inseln durch die Spanier im 15. Jahrhundert.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Urike Ottinger/Sammlung Goetz

tip-Bewertung: Sehenswert

Floating Food Haus der Kulturen der Welt, bis 30.10.2011; Ulrike Ottingers neuer Film „Unter Schnee“ wird in der tip-Ausgabe 20/2011 auf Seite 48 besprochen.

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