Ausstellungen

Florian Meisenberg auf der Abc – Art Berlin Contemporary

meisenbergFlorian Meisenberg bemalt Leinwände und Stoffbanner und fertigt bunte Zeichnungen an, Werke, die auf den ersten Blick naiv erscheinen. Von dem kindlichen Bildkosmos aus tragisch-komischen Pinocchio-Figuren sollte sich der Betrachter aber nicht täuschen lassen. Ebenso wenig von den großen Nasenbildern oder den fliegenden Körperteilen. Meisenbergs Werke sind als Kritik am Kunstbetrieb zu verstehen.

An der Düsseldorfer Kunstakademie – der heute 30-Jährige war zwischen 2004 und 2010 Schüler des kanadischen Malers Peter Doig–, lernte Meisenberg seine Partnerin Anna K.E. kennen, Tochter des georgischen Künstlers Gia Edzgveradze. Die beiden stehen für ein Kunstverständnis, das über das bloße Bemalen von Leinwänden hinausgeht, ein Kunstverständnis, das sie vor allem in der Öffentlichkeit ausleben. Noch während des Studiums gründete das Künstlerpaar 2007 die Galerie Hasen, als Parodie auf den Kunstbetrieb, in der sich beide mit ihren Alter Egos, Antonia Hasen und Cruz Szimansky, als Galeristen erschufen. Sie organisierten echte Ausstellungen, wie etwa 2008 „The Dictatorship of Art“ (Die Diktatur der Kunst) mit Jonathan Meese. Die beiden Künstler wurden mit internationalen Preisen und Stipendien überschüttet, darunter der Audi Award für Progressive Performance 2008 und ein DAAD-Stipendium in New York 2010. Mittlerweile lebt das Paar in New York.

Performance, erfundene Galerien und Malerei sind aber noch längst nicht alle Mittel, die Meisenberg verwendet, um den Kunstbetrieb zu kritisieren. Seit 2009 betreibt er einen Blog. In seinem 2010 verfassten „Dynamic Manifesto“ bezeichnet Meisenberg künstlerische Arbeit als Sperma, das in einem gigantischen Kondom gesammelt werde, um es an Kulturinstitutionen weiterzureichen. Dort werde das Ejakulat nach Ansicht Meisenbergs getrennt, gelabelt, gelagert und zum Gebrauchsgegenstand gemacht. Meisenberg fordert Künstler auf, das Hütchen abzustreifen und frei zu schaffen.

Mit seinen eigenen Werken, so sagt er, versuche er „das unglaublich enge und vorgefasste Bild von Malerei, erzeugt durch ihre lange Tradition und die so klar definierten Grenzen, bewusst zu machen und sie zu überwinden“. Humor, Ironie, Selbstinszenierung sind Meisenbergs Streitäxte, mit denen er versucht, das Kunstsystem in Stücke zu zerteilen. Sein bissiger Humor spielt für ihn „eine außerordentlich wichtige Rolle, aber nicht nur im Hinblick auf die Malerei.“ An das Durchpusten von verkrusteten Beziehungs- und Wahrnehmungsgeflechten sei nur mit Humor zu denken. So zeigt eines von Meisenbergs Stoffbildern eine Art Darmtrakt, in dem die Großen der Kunstwelt, etwa Gurksy, Hirst oder Warhol, blubbernd verdaut werden. Um es mit den Worten des österreichischen Lieblingsscheusals Thomas Bernhard zu sagen: „Die Kunst ist das Höchste und das Widerwärtigste gleichzeitig.“    

Text: Laila Niklaus

Foto: Tanja Pol Galerie München

Florian Meisenbergs Blog http://howtobecomefriendwithafly.blogspot.com

Abc Art Berlin Contemporary www.artberlincontemporary.com

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