Ausstellungen

Fotograf Helmut Morganti im Interview

Portrait-of-myselfDie von Dir in der Gruppenausstellung „Pop-Up Gallery Goes Italian“ gezeigten Bilder sind Teil einer größeren Serie. Welches Thema reflektiert die Reihe?
Das verbindende Moment ist die metaphorische Darstellung der Diskriminierung von Frauen, die leider noch immer anhält und oftmals auch mit sozialer Benachteiligung einhergeht, was ein Thema ist, womit ich mich seit etwa zehn Jahren beschäftige. Die Bilder entstanden in einer verlassenen Klinik am Grabowsee. Das Frauenbild spiegelt sich in dem Verhältnis von Urbanität und Verfall, wobei auch die typischen Geschlechterzuschreibungen dekonstruiert werden. Eine der Frauen wird als Teil der männlichen Identität in Szene gesetzt: verletzlich und aggressiv zugleich.

Mit „sozialer Benachteiligung“ hast du bereits ein Stichwort geliefert. Seit 2005 visualisierst Du Menschen, die in der Regel außerhalb des Mainstream-Fokus’ stehen. Bei Brecht hieß es „die im Dunkeln sieht man nicht.“
Das stimmt, der Schwerpunkt auf der Darstellung sozialer Benachteiligung bildet seitdem einen roten Faden. Angefangen bei Patienten in der Psychiatrie über Depressive bis hin zu Vergewaltigungsopern.

Wobei Du vermeidest, einfach abzubilden.
Genau, das wäre auch nicht angemessen. Ich arbeite mit surrealen Motiven zu Themen, die im öffentlichen Diskurs kaum vorkommen.

Womit die Arbeit implizit auch eine Kritik am öffentlichen Diskurs beinhaltet?
Die Diskursanalyse ist in der Tat spannend. Womit wir bei Foucault wären, dessen Ansatz definitiv prägend für die Entwicklung meiner künstlerischen Arbeit war. Foucault gelingt es hervorragend, die Widersprüchlichkeit und Willkür menschlichen Handelns aufzuzeigen. Daraus abgeleitet, schützt nur Wissen davor, selbst ignorant zu werden.

Allucinazione-post-operatoria-sul-sofaDu hast Dich vor der Ignoranz auch in der Form dahingehend geschützt, dass Du Dich immer wieder neu verortet hast. Vor einigen Jahren nahm man dich auf der Biennale o Florenz mit Installationen wahr, bevor Du Dich dem Medium Film und schließlich textbasierten Formen widmetest.
Um dann wieder zurück zu Fotografie zu kommen, wo meine künstlerische Reise vor vielen Jahren begann. Ja, es ist wichtig, sich neu zu verorten. Man wächst nur an neuen Herausforderungen. Derzeit plane ich Videoinstallationen, Fotografie und Performance zusammenzubringen. Die unterschiedlichen Formen haben sicherlich auch etwas mit meiner Wahrnehmung der Stadt zu tun.

Wie siehst Du Berlin?

Inspirierend. Altes und Neues trifft aufeinander, was sich besonders in der Architektur zeigt. Während der erste Eindruck verstört, schließt es sich doch zu einem organischen Ganzen. Das Urbane und der Verfall, die hier beide aufeinandertreffen, ist eine spezielle Charakteristik, die ich in keiner anderen europäischen Stadt finde. Ansonsten fällt es mir schwer, den Berlin-Hype zu teilen. Zumindest was die Situation der Künstler betrifft. Das suggerierte „Anything goes“ ist ein moderner Mythos.

Interview: Ronald Klein

Fotos: Helmut Morganti

Helmut Morgantis Arbeiten sind seit dem 1.11. in der Pop-Up Gallery zu sehen. Nähere Informationen hier

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