Ausstellungen

„Found in Translation“ im Deutsche Guggenheim

Keren Cytter / Deutsche GuggenheimUm das geschriebene und gesprochene Wort dreht sich die neue Schau im Deutschen Guggenheim. Sie ist etwas für Bildungsprotzer, Konzeptfetischisten und Forschernaturen, denn schwer verkopft erscheint der Hintergrund mancher dieser Film- und Videoarbeiten, dabei durchaus simpel das visuelle Ergebnis. Brendan Fernandes etwa, 1979 in Nairobi geborener Künstler aus indischer Familie, ist beim Versuch zu betrachten, Akzente der Länder nachzuahmen, in denen er gelebt hat: Kenia, Indien, Kanada. Sein Gebrabbel folgt den Zeilen eines Romans des Südafrikaners J. M. Coetzee. Wie ein Comic ohne Sprechblasentext wirkt, demonstriert Siemon Allen. Versteht man was – auch ohne Worte? Gewiss nicht ohne Kenntnis der komplexen Hintergründe, auf die sich Arbeiten wie diese beziehen. Allen greift Bilder aus Hergй-Comics um Tim und Struppi auf, und mit ihnen Konflikte zwischen Juden, Arabern und kolonialen britischen Truppen in Palästina, wo eine Hergй-Story 1939/40 spielt. Uff! Patty Changs Zweikanal-Videoinstallation „Die Ware Liebe“ gönnt dem Besucher wenigstens einen Sitzplatz. Sie bezieht sich auf Walter Benjamins Essay „Die Aufgabe des Übersetzers“. Ein Schauspieler tritt in dem 42-Minüter als Benjamin an, um mit einer Frau, die einem seiner Texte nachempfunden ist, anzubandeln. Weniger verkünstelt geht Sharon Hayes vor. Sie postiert sich mit Protestplakaten mitten in London. „When Is This Going To End“ steht da. Eine Frage, die sich im realen Leben öfter stellt.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Keren Cytter / Deutsche Guggenheim

tip-Bewertung: Annehmbar

Found in Translation Deutsche Guggenheim, bis 9.4.

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