Ausstellungen

Franziska Schwarzbach in der Kunstgießerei Flierl

Sie sind sinnlich, die Eisen­skulpturen Franziska Schwarzbachs, aber von einer schroffen Haut umgeben. Manchmal voll zynischem Witz, wie der „Weibliche Plagegeist“, ein Misch­geschöpf mit spitzem Schnabel und bittend ausgestreckter Pfote. Die Bildhauerin liebt alles Außergewöhnliche, ausgeprägte Gesichtszüge oder auch beson­ders klein gewachsene Menschen, „Zukurzgekommene“. So wie die kleinwüchsige Künstlerfamilie Ovitz, die sie nach ihren Recherchen porträtiert hat. Stellenweise rot und pink bemalt, dringt durch das zerschrundete Äußere und die schrille Aufmachung eine zutiefst betroffene Seele. Die Bildhauerin hat den sieben Schauspielern und Musikern mit ihren Stein- und Holz­skulpturen ein empfindsames Denkmal errichtet. Wenn sie die Gelegenheit hätte, würde sie dieser Familie gern ein Monument aufs Grab setzen. Beim Anblick der Figuren spürt man förmlich, dass der Künstlerin deren Schicksal und ihre Doina-Musik, eine Art rumänischer Blues, unter die Haut ging. Die ungarisch-jüdische Ovitz-Familie wurde 1944 aus Rumänien in Viehwaggons nach Auschwitz deportiert und überlebte nur, weil sie KZ-Arzt Josef Mengele für seine Rassenforschung diente. Deren Porträts bilden den größten Teil der Ausstellungsstücke.

Text: Constanze Suhr
Foto: Caroline Böttcher

(tip-Bewertung: Sehenswert )

Franziska Schwarzbach Skulpturen und Zeichnungen,
in der Kunstgießerei Flierl, Friesickestraße 17, Prenzlauer Berg, Finissage 29.1.10 mit Lesung von Jürgen Rennert, Filme über Havanna-Projekte; Öffnungszeiten nach telefonischer Absprache: Tel. 445 51 81, 447 32 312;
www.kunstgiesserei-flierl.de

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