Ausstellungen

„Free at last“ von Lea-Maria Brinkschulte

Eine kleine Sensation. Da kann man sich der positiven Empfindung kaum entziehen. Neulich aber saß ich mit einem Bekannten zusammen und sprach über dieses Ereignis. Er fragte sehr provokativ und nicht ganz ernst gemeint, warum denn alle Welt diesen Mann so hypen würde, für was er denn überhaupt bekannt sei. Ja, er habe schöne zeit­ge­nös­sische Kunst mit einer politischen Message hervorgebracht und sein mehrjähriger Landarrest habe für Aufsehen gesorgt. Ansonsten aber, so mein Bekannter, würde der Otto Normalverbraucher wenig von seinem Werk kennen. Und die Lust auf die Berliner Ausstellung im Martin-Gropius-Bau letztes Jahr sei einem schon vor der Eröffnung durch die sich überschlagende Vorberichterstattung genommen worden. Empört wollte ich widersprechen, als mir klar wurde, dass mein Bekannter ein Kernproblem angesprochen hat: Ai Weiwei ist Künstler, ein regimekritscher und politisch denkender zwar. Aber er ist kein politischer Aktivist. Diese Rolle wird ihm allerdings gerne zugeschrieben. Dadurch rückt seine Kunst zuweilen unberechtigterweise in den Hintergrund. Hoffen wir, dass die Aufregung sich legt, ohne dass seine Geschichte in Vergessenheit gerät. Und: dass sich der Fokus wieder auf seine künstlerische Leistung richtet, frei von Unterdrückung. Auf dass Ai Weiwei seine Freiheit genießen und seine Gastprofessur an der Universität der Künste endlich antreten kann.

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