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„Friederisiko“ im Neuen Palais in Potsdam

Friederisiko_Leo_Seidel_Stiftung_Preussische_Schloesser_und_Gaerten_Berlin-BrandenburgGanz so spartanisch, wie man dachte, war er wohl doch nicht. Friedrich der Große pflanzte in den 1760er-Jahren ein barockes Prunkschloss in den Park von Sanssouci, um seinen Ruhm als Monarch in Ewigkeit zu gießen. Exquisites Mobiliar und Seidentapeten ließ er aus Paris kommen (und in Brandenburg kopieren) oder Kirschen im Winter für 400 Taler heranschaffen. Im Verhältnis zum Jahresgehalt des Gärtners in Höhe von 20 Talern Luxus pur! Zum 300. Geburtstag des Feldherrn und Kunstfreundes öffnet die Schlösserstiftung 72 Räume – so viele wie nie zuvor. Ein Drittel ist zum ersten Mal überhaupt zu sehen. Mit dabei in einem der fünf Konzertzimmer seine Querflöte aus dunklem Holz. So wird das Neue Palais ein Hauptexponat der Ausstellung „Friederisiko“, Friedrichs ambivalenter, schwieriger Charakter das andere. Privater als sonst kann man ihn erleben. Das Team um Historiker Jürgen Luh präsentiert keinen abstrakten Sockelhelden. Der Herrscher führt sozusagen selbst durch seine Gemächer und rückt persönlich näher.

Die Wände sind mit Zitaten geschmückt, sonstige Erklärungen gibt es kaum, um das Raumerlebnis nicht durch Tafeln zu schmälern. Etwas Hintergrundwissen ist nicht verkehrt, beispielsweise, um die mythologisch verklausulierten Darstellungen zu deuten. Hinter Achill, dem bis auf die Ferse Unverwundbaren, oder dem homosexuellen Ganymed verbirgt sich ein Regent, der sich im Gegensatz zu den meisten nicht im Porträt verherrlicht an der Wand finden wollte. Ebenso wenig seine Verwandten. Nur ein Zimmer stattete der Kinderlose mit einer Phalanx von Ahnen-Porträts aus – das für seinen Nachfolger. An seinem Neffen Friedrich Wilhelm II. schien er die Traumata seiner eigenen Jugend noch einmal wiederholen zu wollen: Sieh her, du musst die Dynastie erhalten! Ein Menschenfreund war er ohnehin nicht, überwarf sich mit allen. Mit Hund, Socken und Kopfbinde lag er im Bett. Dass es im 18. Jahrhundert noch keine Heizung gab, daran wird erinnert, wer durch die kühlen, oft dunklen, prächtigen Säle und Kabinette pilgert.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Leo Seidel / Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

tip-Bewertung: Sehenswert

Friederisiko im Neuen Palais im Park Sanssouci, Potsdam, Mi–Mo 10–19 Uhr, Sa+So 10–20 Uhr, bis 28.10.

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