Museum

Friedrichswerdersche Kirche: Neue Ausstellung im sanierten Schinkel-Kleinod

Kunst und Kommerz, dicht an dicht. Das konnte nicht gut gehen. Zumindest nicht im Fall der Friedrichswerderschen Kirche. Das eindrucksvolle Schinkel-Denkmal erlitt mit Baubeginn der eng anliegenden Luxusappartements – euphemistisch auch als „Townhouses“ bezeichnet – so gravierende Schäden, dass das ehemalige Gotteshaus und heutige Museum mehrere Jahre geschlossen bleiben und saniert werden musste. Am 27. Oktober 2020 wird endlich die Wiedereröffnung gefeiert.

Am Werderschen Markt begegnen sich Kunst und Kommerz. Den Kürzeren zog 2012 die Friedrichswerdersche Kirche, die mit Baubeginn der mittlerweile fertiggestellten Luxusappartements schwere Schäden erlitt. Foto: Max Müller

Friedrichswerdersche Kirche: Im Schinkelbau wieder Skulpturen der Alten Nationalgalerie

Fast acht Jahre lang konnten die Berliner*innen die Schinkel-Kirche mit ihrem faszinierenden Mix aus gotischen und (eingesprenkelten) klassizistischen Elementen nur von außen bewundern. Als die Grube für die doppelstöckige Tiefgarage der „Kronprinzengärten“ ausgehoben wurde, geschah es: Risse, vom Boden bis zur Decke. Während in den Luxushäusern die ersten Mieter einzogen, musste die Kunst nebenan ausziehen. Das Museum beherbergte bis Ende 2012 eine umfangreiche Skulpturensammlung aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die – wie das Ausstellungshaus – zur Nationalgalerie gehört.

Erstrahlt nach fast achtjähriger Sanierung wieder in altem Glanz: die Friedrichswerdersche Kirche. Foto: David von Becker
Ab Ende Oktober werden in dem einstigen Gotteshaus wieder Skulpturen des 19. Jahrhunderts ausgestellt, darunter Emil Wolffs „Winter“ (1845, l.) und eine Bismarck-Büste von Elisabet Ney aus dem Jahr 1867. Foto: Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Andres Kilger

Im Oktober dieses Jahres endlich kehrt die Kunst wieder zurück in die Kirche: Der einzigartige Schinkelbau ist saniert und präsentiert sich allen Kunstliebhaber*innen ab dem 27. Oktober 2020 in altem, frischen Gewand. Unter dem Titel „Ideal und Form“ werden erneut Skulpturen von der Schinkel-Zeit bis zum Kaiserreich aus der Sammlung der Nationalgalerie gezeigt – dafür wurde ein Nutzungsvertrag mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz für zunächst fünf Jahre geschlossen.

Im Januar 2020 fand in der Friedrichswerderschen Kirche so etwas wie ein Tag der offenen Tür statt… Foto: Imago/epd
…bei dem das beeindruckende Bauwerk als solches im Fokus stand. Foto: Imago/epd

Die Friedrichswerdersche Kirche wird seit dem Jahr 1986 als Museum genutzt

Die Friedrichswerdersche Kirche wurde parallel zum Alten Museum der Museumsinsel zwischen 1824 und 1830 errichtet und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs als Gottesdienststätte genutzt. Im Krieg erheblich beschädigt, entschied sich die DDR-Führung den einzigen erhaltenen Kirchenraum Schinkels in der Hauptstadt anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins wiederherzustellen. Zwischen 1979 und 1986 wurde die Friedrichswerdersche Kirche saniert und danach erstmals als Museum genutzt.

  • Friedrichswerdersche Kirche Werderscher Markt, Mitte, ab dem 27.10.2020, Di + Mi, Fr – So 10 – 18 Uhr, Do 10 – 20 Uhr, Eintritt frei, www.smb.museum

Preußische Baumeister und eine Umgebung, die entdeckt werden will

Unsere neusten Texte über Architektur findet ihr immer hier. Fußläufig von der Kirche entfernt liegt der Gendarmenmarkt, der wie die Friedrichswerdersche Kirche anlässlich der Berliner 750-Jahr-Feier aufwendig saniert wurde. Das gibt es auf dem Gendarmenmarkt zwischen Französischem und Deutschen Dom alles zu erleben. Quasi gleich nebenan befindet sich der Pierre Boulez Saal. Im rechteckigen Saal hat Architekt Frank Gehry einen ovalen Sitzrang eingehängt. Von oben betrachtet, staunt man, dass der wellenförmige Balkon aussieht wie eine Achterbahn. Schinkel war nicht der einzige bekannte preußische Baumeister. Welche Architekten Berlin dereinst noch prägten, verraten wir euch hier.

Die Friedrichswerdersche Kiche in der Abenddämmerung. Foto: Imago/Zöllner

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