Ausstellungen

Fünf Empfehlungen für die Berlin Art Week

Jochen_Littkemann_Cry_Twombly_Foundation_Nationalgalerie_im_hamburger_bahnhof_SMB_Sammlung_MarxCy Twombly – Der Hamburger Bahnhof ist bei der Berlin Art Week mit mehreren Ausstellungen präsent.
Udo Kittelmann steht als Direktor der Nationalgalerie sechs Häusern vor. An seiner Seite hat er den finanz- und durchsetzungskräftigen Förderverein Freunde der Nationalgalerie, der auch zu den Partnern der Berlin Art Week gehört. Der Verein ermöglicht viele der spektakulären Ausstellungen im Hamburger Bahnhof und in der Neuen Nationalgalerie. Durch den kurzen Planungsvorlauf konnten beide Häuser ihr Programm nicht mehr zur Art Week ändern, allerdings hat der Hamburger Bahnhof kurzfristig noch eine Schau gestemmt: Fotografien von Lothar Wolleh, die Joseph Beuys 1971 im Moderna Museet in Stockholm zeigen. Zudem laufen dort vier weitere Ausstellungen, die zu so diversen Polen der Kunst des 20. Jahrhunderts führen wie zum Maler Cy Twombly (Foto), einem Klassiker, und zur Outsider-Fotografie des unbekannten Morton Bartlett. Die Neue Nationalgalerie zeigt bis Frühjahr 2013 Werke der Sammlung 1945-1968 sowie eine Installation von Paul McCarthy. Die Alte Nationalgalerie, auch Kittelmann-Haus, startet am 13. September „Romantik und Mittelalter. Architektur und Natur in der Malerei nach Schinkel“. Text: Stefanie Dörre, Foto: Jochen Littkemann / Cy Twombly Foundation / Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof / SMB Sammlung Marx
Cy Twombly & The School of Fontainebleau Hamburger Bahnhof, Invalidenstraße 50-51, Tiergarten, Di–Fr 10–18 Uhr,
Sa 11–20 Uhr, So 11–18 Uhr, bis 7.10.

WaelShawkyWael Shawky – Die Kunst-Werke zeigen die Video­arbeiten des ägyptischen Künstlers in einer sehenswerten Ausstellung.
Wer hätte gedacht, dass sich mit dem uralten Mittel des Marionettentheaters auch heute noch spannende Geschichten erzählen lassen? Doch dem ägyptischen Künstler Wael Shawky, 1971 in Alexandria geboren, dOCUMENTA (13)-Teilnehmer und diesjähriger Träger des Schering-Kunstpreises, beweist, dass es geht. Bildgewaltig, trotz der minimalen Mittel, erzählt er in der Videoarbeit „Cabaret Crusades. The Path to Cairo“ (2012) die Geschichte der Kreuzzüge aus arabischer Sicht. In Shawkys Arbeiten geht es um Prozesse der Neuordnung sozialer und politischer Systeme, die er seit vielen Jahren verfolgt. Seine Kunst ist politisch, aber nicht plakativ, sondern sie erweitert das Denken und Fühlen. So tritt man in der Haupthalle der Kunst-Werke jetzt auf Sand. Dort hat Shawky eine Videoinstallation geschaffen, in deren Zentrum eine Schwarz-Weiß-Projektion steht: Kinder, gekleidet wie Erwachsene, tragen eine rätselhafte ägyptische Parabel vor, in der sich die Menschen nach und nach in Schweine verwandeln. Eine Arbeit mit erstaunlicher Sogwirkung. Text: Stefanie Dörre, Foto: Wael Shawky
Wael Shawky. Al Araba Al Madfuna Kunst-Werke, Auguststraße 69, Mitte, Di–So 12–19 Uhr, Do 12–21 Uhr, bis 21.10.

Arno_Brandlhuber_c_David_von_BeckerArno ­Brandlhuber – Architekt Arno Brandlhuber ist gleich mehrfach bei der Art Week dabei.
Der Architekt Arno Brandlhuber, Architektur-Biennale-Teilnehmer und Mitgründer von Akademie c/o, verwischt mit seinen Bauten und Installationen oft die Grenzen zur Kunst. Bei der Berlin Art Week gibt es gleich zweimal Arbeiten von ihm zu sehen, außerdem startet er gerade seine neue Initiative namens Doppeltes Berlin. Als Einzelkünstler bespielt Brandlhuber während der Art Week einmal den Neuen Berliner Kunstverein, indem er vorhandene Strukturen und Kunstwerke dort im EG in seiner Installation „Archipel“ zu einer insularen Stadtlandschaft verbindet. Außerdem ist Brandlhuber mit seiner Orchideen-Installation „This is Me, This is My Country“ Teil der aktuellen Ausstellung „Between Walls and Windows“ im Haus der Kulturen der Welt. Die nach Diktatoren benannten Orchideen bilden im umgebauten Foyer der ehemaligen Kongresshalle den „Garten der Ideologien“. Und dort im HKW stellt Brandlhuber auch gerade mit Tobias Hönig und Christian Posthofen die Initiative Doppeltes Berlin vor. Mit Doppeltes Berlin möchten sie das einmalige Phänomen, dass es in dieser Stadt, von den Kongresshallen bis zu den Universitäten, vieles gleich zweimal gibt, zum Weltkulturerbe erklären lassen. Text: iba, Foto: David von Becker
Archipel Einzelausstellung im n.b.k., Chausseestraße 128/129, Mitte, Di–So 12–18 Uhr, www.nbk.org; Between Walls and Windows Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, tgl. 10–19 Uhr, bis 30.9.

ochenLittkemann_ContemporaryFineArtsBerlinabc – art berlin contemporary – 120 Galerien aus 17 Ländern ­präsentieren ihre Künstler.
Auf der fünften abc redet kein Kurator mehr rein, es ist eine reine Messe-Schau, zwischen heimischer Marke und globalem Markt angesiedelt. Das Format wurde von Berliner Galeristen für interna­tionale Galeristen entwickelt, die hier Einzelpositionen zeitgenössischer Kunst präsentieren. In diesem Jahr kommen 63 Galerien aus Berlin, acht aus Wien, fünf aus London, jeweils vier aus Dubai, New York und Zürich. Die abc-Macher, alles führende Berliner Galeristen, treffen die Auswahl der Galerien, die mitmachen dürfen, und garantieren so die hohe Qualität der präsentierten Kunst. Und sie haben Freude am Unkonventionellen und Überraschenden. Deshalb wurde zusätzlich das New Yorker Artists Space mit 27 Kreativen eingeladen, darunter Verlage, Kinos, ­Architekten und Plattenlabels. So kommt noch mehr Schwung in die ehemalige Poststation in Kreuzberg. Das Designerkollektiv Metahaven und Mexicali Rose aus Mexiko wird Interventionen realisieren, es gibt einen Basar und Vorträge von Theoretikern wie Arthur Kroker und Autoren des Kunstmagazins „Filip“ aus Vancouver. Text: hil, Foto: Jochen Littkemann / Contempory Fine Arts, Berlin
Station Berlin Luckenwalder Straße 4-6, Kreuzberg Eröffnung: Do 13.9. 18–21 Uhr, Fr 12–20 Uhr, Sa + So 12–19 Uhr
www.artberlincontemporary.com

ZeitlosSchoen_CondeNast_03_c_Conde_Nast_AlbertWatson_AmericanVogue_May1977Zeitlos schön – C|O Berlin zeigt 100 Jahre Mode­fotografie, Edward Burtynsky und Jörg Sasse.
Hört das denn nie auf! C|O Berlin zeigt herausragende Fotoausstellungen, ganz ohne Geld vom Senat und trotzdem auf dem Qualitätsniveau eines Museums. Dennoch ist die Existenz des Projektes aufgrund des Verkaufs des Hauses, des Postfuhramts, schon seit Jahren mehr als gefährdet. Der Umzug in den Monbijoupark steht in den Sternen. Details führen zu weit, aber es wäre ein fürchterlicher Verlust für Berlin, könnte C|O nicht weiterarbeiten. Doch freuen wir uns lieber, solange das noch möglich ist, über die Ausstellungen, die aktuell laufen. „Zeitlos schön“, der sehenswerte Überblick über 100 Jahre Modefotografie, füllt den größten Teil des Hauses. Noch eindrucksvoller jedoch sind Edward Burtynskys Studien „Oil“, die die Schönheit und die Schrecklichkeit dieses Rohstoffes, der die Menschheit antreibt, einfangen. Und ab 15. September kommt noch eine Solo­schau mit Arbeiten von Jörg Sasse, ­Becher-Schüler und wichtiger Vertreter der Düsseldorfer Schule. Text: Stefanie Dörre, Foto: Condй Nast / Albert Watson. American Vogue. May 1977
C|o Berlin Oranienburger Straße 35/36, Mitte, tgl. 11–20 Uhr

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