Ausstellungen

Gabriele Münter Preis 2010

„Ich war in vieler Augen nur eine unnötige Beigabe zu Kandinsky. Dass eine Frau ein ursprüngliches, echtes Talent haben, ein schöpferischer Mensch sein kann, das wird gern vergessen“, vertraute die Malerin Gabriele Münter 1926 ihrem Tagebuch an. Bis heute haben es Frauen in der Kunst nicht ganz so einfach am Markt wie die Herren der Schöpfung. Um gegen Diskriminierung anzukämpfen, wurde daher vor 20 Jahren der Gabriele Münter Kunstpreis speziell für Künstlerinnen, die älter als 40 Jahre sind, ins Leben gerufen.
Aktuell bewarben sich 1400 Künstlerinnen, von denen 40 ausgewählt wurden, für die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau. Die ansprechende Kür der Favoritinnen offenbart mit „Kawummh!“, einer Papierschnittexplosion von Annette Schröter, was die Damen so drauf haben. Man ist positiv überrascht, sieht man mal vom vereinzelt allzu Privaten ab, dem Video „Haare“ von Ursula Neugebauer oder der Fotoserie von Katharina Bosse als junger Mutter. Zwischen abstrakt und gegenständlich gibt es viele gute Arbeiten zu entdecken: ornamental beflügelt die „Crossculture“-Fotos auf Leinwand mit gesticktem Motiv von Beate Passow, gesellschaftspolitisch erhellend Miriam Kilalis Blick auf die beiden schönsten Obdachlosenheime der Welt, packend die Installation aus kreisrunden Wasser-schläuchen von Claudia Schmacke oder Julia Lohmanns „Rhizom“.
Heraus ragt auch die diesjährige Gewinnerin Christiane Möbus, die den mit 20.000 Euro dotierte Preis im April entgegennahm. Sie bespielt allein einen Raum, der Vergänglichkeit, Tod und den Kreislauf des Lebens mittels Objekten ins Blickfeld rückt – darunter zwei ausgestopfte Verwandte von Knut. Für eine Aura aus Spannung und Sentiment, politischem Bewusstsein und Poesie ist nicht nur in diesem Raum gesorgt.    

 

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Wim Cox

tip- Bewertung: Sehenswert

Gabriele Münter Preis 2010? Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, Kreuzberg, ?Mi-Mo von 10-20 Uhr, bis 6.6.2010

Mehr über Cookies erfahren