Kunst

Galerien in Berlin: Diese Ausstellungen lohnen sich im November

Der Shutdown trifft die Kultur hart, Museen sind geschlossen. Doch kommerziell arbeitende Galerien zählen zum Einzelhandel und können geöffnet bleiben. Wir empfehlen euch daher diese Ausstellung von Charlottenburg bis Kreuzberg – und natürlich, beim Besuch der Galerien auf Abstand zu anderen Gästen zu achten.


Der goldene Reiter

Installationsansicht „Der Goldene Reiter in Faustrecht der Freiheit aka Fox and His Friends“, Contemporary Fine Arts, Berlin. Foto: Matthias Kolb / Contemporary Fine Arts, Berlin

Und immer wieder Zigaretten: Ob als Leuchtreklame von Cosima von Bonin oder in Gemälden von Herbert Volkmann und Tobias Sichtig: Der Filmemacher Rainer Werner Fassbinder (1945–1982), dem diese Gruppenschau gewidmet ist, war Kettenraucher. Jenseits des Rauchens ergeben die Arbeiten (ehemaliger) Künstler*innen der Galerie (von Tal R bis Spencer Sweeney) und Gastkünstler*innen (von Gregor Hildebrandt bis Elaine Sturtevant) einen dreidimensionalen Essay über Fassbinder, das Filmemachen, Glamour, Sex und Traurigkeit (bis 28.11.).

  • Galerie Contemporary Fine Arts Grolmanstr. 32/33, Charlottenburg, Mo-Fr 10-18, Sa 11-14 Uhr

Remember September

Blick in die Ausstellung „Remember September“. Foto: Zwinger Galerie

September war eine wunderbare Galerie in der Kreuzberger Markgrafenstraße, betrieben von Oliver Koerner von Gustorf. Schon eine Weile her. Jetzt lässt Koerner von Gustorf sie für eine Weile wiederaufleben: Gemeinsam mit Frank Müller hat er (meist) neue Arbeiten der damals von ihm repräsentierten Künstler*innen in der Galerie Zwinger zusammengetragen.

Dazu gehören etwa Werke von Marc Brandenburg (auf dem Bild vorn links) und Bettina Allamoda (vorn rechts). Über die orangefarbenen Wände nicht wundern: Oliver Koerner von Gustorf war dafür bekannt, mit bunten Wänden und Pullovern auf dem Art Forum zu punkten. Auf dem Art was? Ja, ist auch schon eine Weile her (Ausstellung verlängert bis voraussichtlich Mitte Dezember).

  • Zwinger Galerie Mansteinstr. 5, Schöneberg, 12–18 Uhr

Natascha Ungeheuer

Im September hat die Akademie der Künste das Archiv der Berliner Künstlerin Natascha Ungeheuer (1937 geboren) übernommen: Die studierte Tänzerin malt, sie schuf Bühnenbilder und spielte in West-Berlin in einem Straßentheater mit. Die Galerie Brockstedt widmet ihr eine Ausstellung mit Gemälden und Aquarellen aus 50 Jahren (bis 10.11.).

  • Galerie Brockstedt Mommsenstr. 59, Charlottenburg, Di–Fr 10–18, Sa 11–14 Uhr

Tong Kunniao: Just Stay in the Cold

Die rheinländische  Kunstszene hat ihn schon vor drei Jahren kennenlernen dürfen, nun ist auch Berlin dran: Tong Kunniao (1990 in Changsha, Hunan, geboren) baut Plastiken aus Müll, den er in der Stadt seiner jeweiligen Ausstellung findet. So arbeiten einige Künstler, aber wenige so hinterlistig vergnügt wie der junge Chinese. Seine Kunst blinkt und lärmt, manches schnallt er sich auch auf den Rücken, und doch ist alles auch für den feinen Geschmack – und melancholisch noch dazu (bis 12.12.).

  • Galerie Hua International Potsdamer Str. 81 B, Tiergarten, Di-Sa 12-18 Uhr

Per Kirkeby: Monoprints

Die Monotypie ist eine feine, sehr delikate Sache: Gedruckt wird auf einer Platte mit nasser Farbe. Das geht, anders als etwa beim Siebdruck, genau einmal. Es gibt also keine Edition, keine Auflage, nur ein Unikat. Per Kirkeby aus Dänemark, mehrfacher Documenta-Teilnehmer und Mitstreiter von Beuys, schuf 2017, ein Jahr vor seinem Tod, Monoprints, die jetzt in der Borch Gallery zu sehen sind: zarte Kompositionen aus Tinte und Aquarellfarbe oder Buntstift (bis 23.1.).

  • Borch Gallery Goethestr. 79, Charlottenburg, Di–Sa 11– 18 Uhr

Tom of Finland: Made in Germany

Tom of Finland: Made in Germany, Foto: Ausstellungsansicht Galerie Judin. TOM OF FINLAND ©1952-2020 Tom of Finland Foundation

Seine markigen Kerle mit Lederkäppi und prallem Po machten Furore. Eine Männerbrust aus seinem Studio schmückte eine finnische Sonderbriefmarke. Dome Karukoski drehte einen Spielfilm über ihn. Der Werbegrafiker Touko Valio Laaksonen (1920-1991) ist eine Ikone. Wir kennen ihn unter seinem Pseudonym Tom of Finland. Die Galerie Judin widmet ihm eine Ausstellung, die den Hamburger Aufenthalt des Finnen in den Fokus rückt (19.12.).

  • Galerie Judin Potsdamer Str. 83, Tiergarten, Di-Sa 11–18 Uhr

Mike Strauch: Tempel

Mike Strauch: „Strada“, 2020, Courtesy: The artist

Landschaftsbilder müssen keine schönen Landschaften zeigen, noch nicht einmal, was allgemein als Landschaft gilt Der Berliner Künstler Mike Strauch malt lieblos hochgezogene Wohnhäuser an Bahn- oder Straßendämmen vor Hügeln, die vielleicht einmal bewaldet waren, doch jetzt brennt hier die Sonne gnadenlos auf braune Bergkuppen und heruntergelassene Markisen. Es gibt keinen Gegensatz von Kultur und Natur mehr. Suchten die klassische Maler im Grünen ein antikes Ideal, Gott oder doch wenigstens die Einheit der Welt, findet Strauch dort Hinterlassenschaften der Menschen. (bis 21.11.).

  • Artes Berlin Auguststr. 19, Mitte, Di-Fr 11-18, Sa 12-18 Uhr

Andreas Gursky

Andreas Gursky, Pigs I, 2020. Foto: Andreas Gursky / VG Bild-Kunst, Bonn / 2020 Courtesy Sprüth Magers

Auch sein Vater und sein Großvater waren Fotografen, aber nie so berühmt wie Andreas Gursky, dem das Museum der bildenden Kunst in seiner Geburtsstadt Leipzig ab 5. Dezember eine Sonderschau widmen will. Mal sehen, ob die Pandemie das zulässt. Wer auf Nummer Sicher gehen will und neue wie ältere Arbeiten von Gursky noch in diesem Jahr sehen will, kann bis 14.11. in die Galerie SprüthMagers gehen: Sie zeigt unter anderem Motive, die der Fotograf nach etlichen Jahren erneut aufgenommen hat, etwa das Rheinufer. Und das sah im Sommer 2018 alles andere als mitteleuropäisch aus. Online-Reservierung eines Besuchs erwünscht (bis 14.11.).  

  • SprüthMagers Oranienburger Str. 18, Mitte, Di-Sa 11-18 Uhr

Nadira Husain und Zoë Claire Miller

Eine Französin und eine US-Amerikanerin in Berlin stellen gemeinsam aus: fröhlich-bissige Malerei, Keramik und bemalte Fundschildkröten. Zoë Miller kennt man übrigens auch als Sprecherin des Berufsverbands Bildender Künstler*innen Berlin , der soeben die anzahlreiche Auflagen gekoppelte Vergabe der Bundes-Hilfen für Künstler*innen in der Corona-Krise scharf kritisiert hat (bis 12.12.). 

  • PSM Schöneberger Ufer 61, Tiergarten, Di-Sa 12-18 Uhr

Andreas Seltzer: Prima Vista

Andreas Seltzer: „Was die Auster verschwieg-2, Januar/Februar 2020 Farbige Tusche, Bleistift auf Papier 80 x 54 cm Copyright by the artist. Courtesy Laura Mars Gallery, Berlin.

Text und Bild, Landkarten und Illustrationen, Filmwelten und Kunstbetrieb: Seinen Zeichnungen ist immer anzusehen, wofür sich Andreas Seltzer interessiert. Was man nicht sieht: Dass der Berliner Künstler gemeinsam mit Heike Vogler auch den „Bilderdienst Berlin“ betreibt, zu dem eine herrlich altmodische Internetseite mit feinsten Zeichnungen gehört. Schön, dass Gundula Schmitz von der Galerie Laura Mars jetzt wieder eine Ausstellung mit den vor Details nur so strotzenden Zeichnungen von Andreas Seltzer macht (bis 14.11.).

  • Laura Mars Gallery Bülowstr. 52, Schöneberg, Mi-Fr 13-19, Sa 13-18 Uhr

Before the Dust Settles

Arbeiten von Paula Döpfner und James Scott Brooks, ganz neue Blätter von Ulrike Mohr und Wanda Stolle: Die Galerist*innen Feldbusch, Wiesner und Rudolph widmen ihre neue Ausstellung acht europäischen Künstler*innen. Ein Gastkurator richtet die Schau aus: Jan-Peter Frühsorge, der zwölf Jahre eine Galerie für Zeichnung unter anderem im Kunsthof an der Heidestraße betrieb (bis 5.12.).

  • Feldbusch Wiesner Rudolph Jägerstr. 5, Mitte, Do-Sa 12-18 Uhr

Mehr Kunst, die auch jetzt zu sehen ist:

Diverse Skulpturen in Berlin lassen sich auch in der Pandemie bestaunen. Genau wie ungewöhnliche Statuen. Bei manchen Skulpturen fragen wie uns aber: Ist das Kunst? Eine tolle Open-Air-Ausstellung gibt es in Kreuzberg: Da wird an Plakatwänden Helmut Newton gefeiert. Und auch oft künstlerisch wertvoll: Berlins Architektur hat viele Facetten.

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