Ausstellungen

Galerienaustausch Berlin – Paris

Galerie-Denise-ReneIn Zeiten der Wirtschafts­krise suchen Berliner Kunst­galerien vermehrt nach ungewöhnlichen Ausstellungsmodellen und neuen Geschäftspartnern. Da hilft ein Blick über den Tellerrand, zum Beispiel ins Nachbarland Frankreich. Wie werden dort Ausstellungen gemacht? Welche Positionen sind im Kommen? Vor allem: Was kann man voneinander lernen? Vom 15. bis 23. Januar 2010 nehmen daher 14 deutsche und etwa 14 französische Galerien an einem hochkarätigen Austausch von Künstlern und Werken teil. Zuerst stellen die Franzosen in den Räumen ihrer deutschen Partnergalerien aus und im Anschluss die Berliner Kollegen in Paris. Angeregt von der französischen Botschaft, war bereits die erste Ausgabe des Galerienaustauschs „Berlin–Paris“ vor einem Jahr ein viel beachteter Erfolg. Das Ziel war, ein Fenster auf das Kunstgeschehen in Frankreich zu öffnen und zwei Kunstszenen zu vernetzen, die auf unterschiedlichen Traditionen aufbauen.

ROTATIONSMODELL
Nun hat der Projektleiter Cйdric Aurelle von der französischen Botschaft wieder Berliner Galerien ausgewählt, die die künstlerische Vielfalt der Hauptstadt querschnittartig repräsentieren sollen. Darunter sind namhafte Galerien wie Neugerriemschneider oder der Galerist Mehdi Chouakri, der zum zweiten Mal beim Austausch mit dabei ist: „Meine Erfahrungen vor einem Jahr waren überaus positiv. Das Medieninteresse beider Länder war enorm und die Neugier des Publikums sehr groß.“ Dem ge­genüber stehen auf französischer Seite Schwergewichte wie Denise Renй und Emmanuel Perrotin. Aber auch junge aufstrebende Galerien fehlen nicht, wie Chert, Marcelle Alix und Sommer & Kohl, die zum ersten Mal mit dabei sind. Wer mit wem zusammenarbeitet, also Paare bildet, und welche Künstler ausgewählt werden, bestimmen die Galerien allerdings selbst. Man fragt sich: So viele gute Galerien, entsteht da keine Konkurrenz? Dazu sagt Jana Strippel von Neumann Luz Communications: „Bei Berlin-Paris kommen alle zusammen: Künstler, Kuratoren, Sammler, Galeristen und Kunstliebhaber. Im ersten Teil war spannend, wie sich Sprachbarrieren auflösten und Freundschaften entstanden, ohne dass die französischen Galerien mit den deutschen konkurriert haben.“ Tatsächlich geht es darum, neue Partner zu finden und alte Beziehungen zu intensivieren. Schon auf der französischen Kunstmesse FIAC war 2009 der Anteil an deutschen Galerien höher als sonst, was laut FIAC-Leiterin Jennifer Flay auch am Galerienaustausch lag.

Galerie-Kamel-Mennour_-ParisUNGEWÖHNLICHE PARTNER UND GEMEINSAME PROJEKTE
In der zweiten Runde zeigen sich die Teilnehmer experimentierfreudiger als im Vorjahr und bilden teils ungewöhnliche Paare. Esther Schipper überrascht mit einem Medienwechsel. Die Partnergalerie Nathalie Obadia bringt Malerei in die sonst eher konzeptuell angehauchte Berliner Galerie, mit Arbeiten von Martin Barrй, einem französischen Meister der abstrakten Kunst, und magischen Zeichnungen von Jorge Queiroz. Der Portugiese vermischt in seinen Blättern Narratives, Abstraktes und Undefinierbares zu einer ganz eigenen Bildsprache, die ihre Wurzeln im Surrealismus eines Georges Bataille, Alfred Kubin oder den Erzählungen von James Joyce hat. In den Räumen von Neugerriemschneider gastiert die Pariser Galerie Kamel Mennour, die Künstler wie Daniel Buren und Claude Lйvкque vertritt. Die Galerie ist einer der wichtigsten Orte zeitgenössischer Kunst in Frankreich. Mennour gestaltete in diesem Jahr den französischen Pavillon auf der Biennale in Venedig. In Berlin zeigt der ge­bürtige Algerier eine Schau mit dem bekannten Architekten und Visionär Yona Friedmann und dem Künstler Camille Henrot. Statt separater Schauen bieten einige Teilnehmer ein gemeinsam kuratiertes Programm, wie etwa die Galerien Gregor Podnar und schleicher+lange, Carlier/Gebauer, Natalie Seroussi und Michel Rein sowie Chert und Carlos Cardenas.
Marcelle Alix bringt bei Croy Nielsen hervorragende Jungkünstler auf die Bühne, das preisgekrönte Kunst-Duo Louise Hervй und Chloй Maillet, bekannt für Performance-Vorträge, Genre-Filme und Installationen.

Der Künstler Ernesto Sartori, Jahrgang 1982, baut Konstruktionen und Assemblagen nach geometrischen Plänen, in denen sich Tierfiguren, Seile, Basketbälle und Holzfragmente verheddern. Die Galerie Wentrup, Partner von Mennour im vergangenen Jahr, wählte diesmal Emmanuel Perrotin aus, da die in Paris gezeigten Künstler besser zum hauseigenen Programm passen. Perrotin vertritt Wawa Tokarski, dessen großformatige Leinwände unsere Medienwelt und deren Embleme hinterfragen.
Die Galeristin Tina Wentrup begründet ihre Partnerwahl: „Zeitgenössische Malerei erlangte erst kürzlich wieder Aufmerksamkeit in Frankreich. Es ist uns wichtig, gerade jetzt die großformatigen und politischen Werke von Tokarski zu zeigen.“…

Fotos: Galerie Denise Reneй/Paris, Galerie Kamel Mennour/Paris

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