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Galerienaustausch Berlin – Paris: Teil 2

KATZOURAKIS_c_Galerie-Denise-Rene-ParisZWEI KOMPLEMENTÄRE KUNSTSZENEN
Fernab gängiger Klischees – Berlin als zeitgenössische Kunstmetropole Europas und Paris als Ort, wo die meisten Galerien in der Vergangenheit auf moderne Positionen setzten und nun Anschluss zu suchen scheinen – versucht „Berlin-Paris“ die Vielfalt der Pariser und Berliner Kunstszenen durch eine Zusam­menstellung von Projekten zu vermitteln. „Die Dynamik, die in der Berliner Kunstszene herrscht, fasziniert uns schon seit längerer Zeit“, sagt Ludmilla Lencsйs, Mitarbeiterin der Galerie Marcelle Alix. Für Deutsche wird es interessant sein zu sehen, was sich auf dem französischen Markt tut. Viele der Galerien haben bei uns noch vollkommen unbekannte Künstler im Gepäck. Bei den vielen positiven Faktoren ist der Verlust eines Monatseinkommens zweitrangig: „Das ist nichts im Vergleich dazu, dass unsere Galerie neue Sammlerschichten kennenlernt, die niemals über unsere Türschwelle getreten wären“, sagt Galerist David Fleiss.
Mit der französischen Galerie 1900–2000 wird das diesjährige Programm durch eine kunsthistorische Dimension ergänzt: in den Räumen von Mehdi Chouakri präsentiert die Galerie den Maler Francis Picabia, Mitbegründer der Pariser Dada-Bewegung. „Während der Kunstmarkt in Paris breit gefächert ist und Kunst aller Epochen und Stile anbietet, ist Berlin bekannt für seine Galerien zeitgenössischer Kunst“, sagt Galerist Mehdi Chouakri und fand es deshalb spannend, „mit der Galerie 1900–2000 die klassische Moderne nach Berlin zu bringen. Etwas Besonderes, auch für das hiesige Publikum“.

Auch die junge Galerie Sommer & Kohl setzt auf kunstgeschichtlichen Tiefgang und kooperiert mit Denise Renй, einer der in Frankreich historisch bedeutendsten Galerien der Nachkriegszeit, die seit 1945 unablässig zeitgenössische Kunst fördert. Denise Renй organisiert eine Gruppenschau mit modernen und zeitgenössischen Künstlern, wie den Op-Art Künstlern Victor Vasarely, Anne Blanchet, Michalis Katzourakis, Jesus Rafael Soto oder Haruhiko Sunagawa. Galeristin Salomй Sommer findet es wichtig, „Parallelen vom Heute in die Vergangenheit oder umgekehrt zu ziehen. Denise Renй ist ein Beweis, dass man mit der Arbeit für und dem Glauben an die Kunst sehr gut alt werden kann“. Nicht nur für das Geschäft ist ein bilateraler Austausch sinnvoll. Auch die Künstler profitieren davon, dass Kuratoren, Sammler, Journalisten, Institutionen und Museen auf sie aufmerksam werden. Sie können ihre Arbeiten einem anderen Publikum vorstellen und Kontakte mit Kollegen knüpfen – auch im Dialog über mehrere Künstler-Generationen hinweg.
Der Galerienaustausch könnte ein Zukunftsmodell sein, denn er macht den Kunstmarkt dynamischer. Berliner und Pariser haben die Möglichkeit, sich umfassend mit der Galerienkultur des jeweils anderen Landes auseinanderzusetzen. Wer weiß, wie viele dauerhafte Kooperationen daraus entstehen werden.

Text: Laila Niklaus
Foto: KATZOURAKIS/Galerie Denise Renй/Paris

Galerienaustausch
15.-23. Januar in Berlin, 29.1.-6.2. in Paris;
Eröffnungsrundgang am Fr 15.1.,
im Anschluss (22.30 Uhr) Berlin-Paris Art Opening Party im Relais, Köpenicker Str. 126
LineUp
berlin-tokyo: Jeans Team live!, DJ Supermarkt, Jack Tennis, Milch DJ-Set, DJ Officer,
berlin-paris: Kolkoz DJ Set, Greg Boust, Todd Hart
salon de paris: Nite Shinin, Coop, A-Team
www.berlin-paris.fr/

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