Kunst

Gallery Weekend Berlin: Die besten Tipps für das große Kunst-Wochenende

Das sollten sie sehen! Es ist der Frühjahrsmarathon der Kunstszene, allerdings ohne festgelegte Laufstrecke. Aber dafür lohnt es umso mehr sich treiben zu lassen, hat das Gallery Weekend vom 27. bis 29. April doch in über 50 Galerien Kunst und Künstler zu bieten, von denen man entweder schon gehört hat – oder noch viel hören wird. Und weil auch die Ausdauerndsten Probleme haben werden, wirklich alles zu sehen, haben wir hier eine Vorauswahl zusammengestellt.

Tacita Dean & BORCH Editions

Leiko Ikemura
Es sind innere Bilder, die Leiko Ikemura nach außen kehrt. Ihre ruhigen Werke lassen viel in der Schwebe. Die Galerie Kewenig präsentiert die verträumt anmutenden Zwischenwelten, geheimnisvolle Fabelwesen und abstrahierte Natur auf Papier und Leinwand. Auch Plastiken bereichern die Schau. Im Max Liebermann Haus (Brandenburger Tor) treffen ihre kosmischen Landschaften überdies auf Fotos von Donata und Wim Wenders.
Kewenig Sonderschau im Liebermann Haus, Pariser Platz 7, Mitte

Goldin+Senneby
Die erste Einzelausstellung des Künstlerduos Goldin+Senneby in Berlin beschäftigt sich mit den ineinander verwobenen Beziehungen von Kunstmarkt, künstlicher Intelligenz und Trading an den Finanzmärkten. Die nicht selten seltsame Beziehung von Geld und Kunst passt wie die Faust aufs Auge zum Gallery Weekend.
Nome Glogauer Str. 17, Kreuzberg

Franz Ackermann
Ackermann entwickelt aus Malerei und Zeichnung ganze Raumkunstwerke. Auch zum Weekend legt der 1963 Geborene, der mit „Mental Maps“ aus Wirklichkeitsfragmenten und Imaginiertem bekannt wurde, ein übergreifendes Raumkonzept vor. Ölbilder und Wandmalerei übernehmen fast schon architektonische Aufgaben. Als Zutaten integriert er Fotografie, Zeichnung oder Aquarell. Man darf staunen, wie der Meister der explodierenden Farben und suggestiven Formen den Raum in dieser detailreichen Installation weiterdenkt und neu definiert.
Meyer Riegger Friedrichstr. 235, Kreuzberg

Tacita Dean
Die britische Künstlerin zeigt die große, neu erstellte Arbeit „Quarantania“. Die Photogravur arbeitet mit dem biblischen Berg der Versuchung als zentralem Motiv und wird anschließend Teil einer großen, sich über drei Londoner Museen verteilenden Ausstellung der Künstlerin sein, die diese selbst kuratiert hat. Spart zwar nicht den Weg nach London, macht aber Lust auf mehr.
Niels Borch Jensen Lindenstr. 34, Kreuzberg

Julius von Bismarck
Ob Julius von Bismarck die Alpen auspeitscht oder geduldig eine Eiche fällt, bei dem 33-Jährigen dreht es sich ums Kräftemessen. Frei nach Albert Camus, der den „Mensch in der Revolte“ gegen das Absurde begriff, schafft der Senkrechtstarter Sinnbilder. Um eine ­existenzielle Erfahrung geht es auch diesmal. Der Kunstberserker lädt die Besucher ein, aktiver Teil seines Forschungs­prozesses zu werden. Der Galerieboden dient als Laufband, Stillstand unmöglich. „Immer noch der Lauf der Dinge“ fasst die nicht enden wollende Bewegung ins Auge, der all unsere Bemühungen unterliegen.
Alexander Levy Rudi-Dutschke-Str. 26. Kreuzberg

Leda Bourgogne
Erst im vergangenen Jahr erhielt die 1989 geborene Schweizerin den Absolventenpreis der Städel­schule. Nun lebt die 28-Jährige in Berlin und zeigt am Rosa-Luxemburg-Platz ihre erste Ausstellung. Experimentell und sinnlich ist ihr Umgang mit den verschiedensten Medien. Sie erweitert den Bildraum, klebt Kaugummis auf Boden und Wände der Galerie, die CD-Ständer-Skulpturen und Bild-Metaphern vorstellt. In ihren „Velvet Ventilation Paintings“ mit integrierten Lüftungsschlitzen suggeriert Leda Bourgogne, dass es hinter der Leinwand weitergeht.
BQ Weydingerstr. 10, Mitte

Cecilia Edefalk
Bei uns noch nicht so etabliert wie in Schweden, aber das könnte sich jetzt ändern. Skulpturen, Malerei und Videos beleuchten ihr Schaffen von 1997 bis heute. Anregen ließ sie sich von einem Besuch im Museum von San Gimignano. Die dortige Renaissance-Skulptur „Engel der Verkündigung“ löste quasi ein Erdbeben aus. Acht großformatige Bilder waren die Folge – mysteriöse Malerei, die auf originelle Plastik trifft.
Carlier Gebauer Markgrafenstr. 67, Kreuzberg

Guy Zagursky
Der israelische Künstler setzt sich immer wieder mit Motiven und Themen der Popkultur auseinander und entwickelt teils höchst ungewöhnliche künstlerische Arbeitsweisen. Gasflaschen, die mit popkulturellen Symbolen und Zeichen versehen sind, treten neben große Stahlträger, auf die Zagursky beliebte Tattoomotive präzise appliziert hat. Muss man gesehen haben!
Kwadrat Manteuffelstr. 92, Kreuzberg

Hans-Peter Feldmann
Vor allem Feldmanns hintersinniger Humor, der alle seine Werke durchzieht, ist ein echtes Fest und macht eigentlich jede seiner Ausstellungen zu einem Highlight. Gleich in beiden Räumen der Galerie, also: Hingehen!
Galerie Mehdi Chouakri Fasanenstr. 61+Bleibtreustr. 41 (Eingang über Mommsenstraße 4), Charlottenburg

Rebecca Ackroyd
Zum Gallery Weekend trifft man ja vermehrt auf bekannte Namen. Peres Projects setzt mit Rebecca Ackroyd auf eine junge, aufstrebende britische Künstlerin, die mit ihren oft feministischen Themen, die sie in Skulpturen, Installationen und Malerei verarbeitet, gerade voll durchstartet. Mutig und erfrischend!
Peres Projects Karl-Marx-Allee 82, Friedrichshain

NGORONGORO II
Wir wissen zwar auch nicht, wie man den Namen richtig ausspricht, aber nach dem Riesenerfolg der Ausstellung im Jahr 2015 wird diese zweite Ausgabe sicher wieder ein inoffizielles Highlight beim Gallery Weekend sein. Initiiert von Jonas Burgert und anderen Künstlern aus dem Atelierhaus Lehdererstraße.
Atelierhaus Lehdererstr. 34, Weißensee

Geöffnet sind die Galerien Freitag von 18 bis 21 sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 19 Uhr. Mehr Infos: gallery-weekend-berlin.de

Texte: Andrea Hilgenstock und Philipp Koch

Mehr über Cookies erfahren