Ausstellungen

„Gedächtnis ?in 3D“ von Stefan Hochgesand



2?000 Kunstwerke
hat Berlin verloren im Mai 1945: ein Drittel der Skulpturensammlung und 400 Gemälde. Sie waren im Flak­bunker Friedrichshain gelagert, fielen wohl zwei Bränden zum Opfer. Es waren dies keine Fußnoten der Kunstgeschichte, sondern auch Werke von Sandro Botticelli, Caravaggio und Peter Paul Rubens. Die beeindruckende Ausstellung „Das verschwundene Museum“ im Bode-Museum ermöglicht jetzt mittels Gips­abgüssen und fotografischen Abzügen eine Vorstellung dieser verlorenen Schätze im Originalformat. Dabei schwelgt die Schau nicht in Nostalgie, sondern fragt auch: Inwieweit ist Rekonstruktion legitim? Sie widerspricht jedenfalls der Charta von Venedig, entstanden 1964. Diese inter­national anerkannte Richtlinie zur Denkmalpflege besagt: Der veränderte Zustand eines Kunstwerks sei zu respektieren, historische Spuren dürften nicht beseitigt werden. Dagegen steht der Wunsch, die „ursprüngliche Idee“ eines Kunstwerks auszustellen. Möglich ist dies in Berlin, weil die seit 1819 erstellten Gipsformen der später zerstörten Skulpturen den Krieg in Char­lotten­burg heil überstanden. Gedächtnis in 3D. Man kann Gips­reproduktionen täuschend echt wie Marmor, Bronze, Gold und Elfenbein leuchten lassen, auch mit Patina. Beschädigte Originale hingegen sollte man, so meine ich, vernarbt daneben stehen lassen, statt ihre Blessuren geschichtsklitternd wegzurestaurieren. Aber sehen Sie selbst!

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