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Kommentar

„Geht’s da eigentlich noch um Kunst, oder nur um Kunst-Posting?“ von Stefanie Dörre

Ganz ehrlich, ich habe aufgeatmet, als Christos „Floating Piers“ zu Ende waren.

Stefanie Dörre

Endlich konnten mich keine Postings mehr von nackten Füßen oder verzückten Menschenmassen auf orangefarbenen, schwimmenden Stegen erreichen. Christo hat mit dem verhüllten Reichstag in Berlin und dem verhüllten Pont Neuf in Paris Werke geschaffen, die zu Recht ihren Platz in der Kunstgeschichte und der Erinnerung eines Millionenpublikums  haben. Aber bei den „Floating Piers“ habe ich leider nur noch gedacht: Ein Spektakel. Von dem die Besucher dann   spektakuläre Selfies (Ich + See + orange + Panorama) in die sozialen Netzwerke einspeisen und damit zeigen können, dass sie sich nicht zu irgendwelchen abgedudelten Reisezielen aufmachen, sondern zur Kunst. Über den Christo-Steg auf dem Lago d’Ideo zu laufen (intellektuell + individuell) ist natürlich ein viel besseres Selbstmarketing als Urlaub am See zu machen. Der Kunst-Poster als Kunst-Poser ist eine Entwicklung, die man immer häufiger antrifft. Damit rücken Arbeiten in den Vordergrund, die einen guten Hintergrund für die Selbstdarstellung abgeben. Groß, bunt und schön gelegen sollen sie sein. So ist Kunst nahe am Tourismusmarketing.

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