Ausstellungen

Gemälde von Georg Baselitz in der Villa Schöningen

Georg_Baselitz_M_1963_00_00_23_c_FrankOlseki_KoelnZwei Werke, „Die große Nacht im Eimer“ und „Der nackte Mann“, wurden damals in der Ku’damm-Galerie Werner & Katz konfisziert. Der Künstler wurde wegen unzüchtiger Darstellungen angeklagt. Auf dem ersten Gemälde steht ein Junge mit gespreizten Beinen und masturbiert an einem überdimensionierten Phallus. Der Aufreger von damals kann nun wieder besichtigt werden. In der Villa Schöningen sind 21 Gemälde des frühen Georg Baselitz wiederzuentdecken. Sein Markenzeichen, die kopfüber gemalten Bilder, sucht man hier vergebens. Stattdessen scheinen sich seine organischen Wesen allmählich herauszulösen aus einer ungeschlachten Ursuppe. Baselitz, der 1957 aus der Hochschule Weißensee herausflog wegen „gesellschaftlicher Unreife“, setzte sein Studium an der HdK bei Hann Trier fort. Sehr bewusst markierte er den Agent Provocateur. „Das harte Klima damals in Berlin, dieses spitze Klima war sehr anregend“, erinnert sich Baselitz lebhaft. Im „Portrait Rayski“ von 1959 quillt ein Auge hervor, die Nasenlöcher sind berserkerhaft verdoppelt. Die innere Dynamik bricht sich Bahn. Ein verdammt gutes Bild.

Text: Martina Jammers

Foto: Frank Olseki, Köln

Villa Schöningen, Potsdam, bis 1. August

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