Ausstellungen

„Girls & Boys“ von Stefan Hochgesand

Stefan Hochgesand

Sind Frauen die besseren Männerversteher? „Fragen Sie Elaine“, sagte Andy Warhol, als jemand wissen wollte, wie er seine schicken Blumenbildchen male. „Keine Ahnung, fragen Sie einfach Elaine.“ Gemeint ist Sturtevant (so das genderneutrale Pseudonym), der sich im Hamburger Bahnhof gerade eine Schau widmet. Sturtevant (1924 bis 2014) hatte sich darauf spezialisiert, die Techniken männlicher Kollegen perfekt zu kopieren: Lichtenstein, Rauschenberg, Beuys, Duchamp. Und Warhol kopierte sie offenbar so knorke, dass der sagte: „Fragen Sie Elaine, wie’s geht.“ Sturtevant ist aktuell übrigens auch im Schwulen Museum mit von der Partie – bei der DHM-Kooperation „Homosexualität_en“ (S. 91). Auch die hinterfragt die Dominanz der Männer.
„Ist die Literaturbranche etwa genauso männerdominiert wie die Kunst?“, fragte der Moderator die Starautorin Siri Hustvedt bei einem Talk kürzlich im Babylon-Kino. „Honey“, sagte sie mit ihrer tollen Radiostimme. Und nach einer Kunstpause: „Die ganze Welt ist männerdominiert.“ Siri Hustvedt muss es wissen: Sie ist hyperintellektuell und bleibt für viele trotzdem bloß „die Frau von Paul Auster“. In ihrem neuen Roman „Die gleißende Welt“ geht es übrigens um eine Frau, die den Kunstbetrieb durch den Kakao zieht, indem sie sich hinter drei Männeridentitäten versteckt und plötzlich einen Mega-Erfolg mit ihrer Kunst hat. Finden Sie das ziemlich an den Haaren herbeigezogen? Dann hören Sie auf Andy – fragen Sie Elaine wie‘s läuft!

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