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„Gisиle Freund. Fotografische Szenen und Porträts“ in der Akademie der Künste

Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre beim Einkaufen (Foto). Oder James Joyce beim Spielen mit seinem Enkel. Man kennt Gisиle Freund als Porträtistin nahsichtiger Aufnahmen von Walter Benjamin bis Virginia Woolfe. Aber es sind die Menschen in Lebenssituationen, nicht diese Fokussierungen, die am meisten überzeugen. So wie Evita Perуn, die sich ihre platinblonde Mähne kämmt. Sie strahlt Gisиle Freund an, als sie auf ihre umfängliche Hutsammlung zurückgreift. Freund beschreibt, dass sie auf die überbordende Eitelkeit der First Lady Argentiniens setzte, um das Fotoshooting zu erhalten. Die Ergebnisse gehören zum Ausdrucksstärksten in Freunds Werk. Und sie lösen zugleich den selbst erhobenen Anspruch ein, ein Porträt als Reportage zu gestalten. Dieser Aspekt in ihrem Њuvre wurde bislang eher vernachlässigt.

1937 gelang Gisиle Freund ein Coup, als sie vom Direktor der Bibliothиque nationale den Auftrag erhielt, eine repräsentative Fotoserie zu erstellen. Man wünschte sich Aufnahmen mit dem Stativ. Doch Freund zog es vor, ihre kleine Leica in der Hand zu halten und fing so die Leseaktivitäten in der Nationalbibliothek ein, mit ihren grünen Lampen und den zauberhaften Wendeltreppen hinauf in den intellektuellen Olymp.

Text: Martina Jammers

Foto: Gisиle Freund / IMEC, Fonds MCC / Vertrieb bpk

tip-Bewertung: Herausragend

Gisиle Freund. Fotografische Szenen und Porträts Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Tiergarten, Di–So 11–19 Uhr, bis 10.8.

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