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Goldstück in der Winterfeldstraße

goldstueck_sarah_heuser_hipiSehense, dit war Berlin! Unten in der Kellerbar hängt ein bunter Mix aus Schöneberg-Fotos, eins retrospektiver und stimmungsvoller als das andere: Asphaltschwalben lugen um die Ecken, Frauen tanzen Burlesque als es noch ein RICHTIGER Skandal war, und überhaupt haben ja eh früher alle hier gewohnt, von Bowie bis Frank Zander, obwohl, der wohnt doch immer noch irgendwo?…

Die Betreiber des Goldstücks stehen auf’s Rustikale und sind sich der Kiez-Vergangenheit voll bewusst, dabei wären sie selbst noch jung genug für andere Bezirke. Doch das kommt nicht in Frage: Das Goldstück ist angetreten, die Heterokneipendichte in Schöneberg wieder ein kleines bisschen anzuheben, und tut das mit amtlichen Cocktails, großem Hinterzimmer, in dem eine an die taxidermistisch behandelte Mutter bei „Psycho“ erinnernde Frauenfigur am Tisch sitzt, und viel trotzigem Anti-Szene-Charme.

Aus den Boxen klingt mal Lionel Richie, mal Jazz und mal hübsche Discohits, im „Yakuza“ gehen Ginger Ale und Wodka eine herrliche Verbindung ein, und wenn man seine teuren Handschuhe nicht gerade unter die tropfenden Draculaschloss-Kerzen legt, ist alles in bester Ordnung hier. Sehr zu empfehlen ist auch der „Burn Out“ mit Gin und Melonenlimo, während der langen „ängry Hour“ nur fünf Mäuse! Man sollte die in anderen Kiezen wie die Fliegen herumschwirrenden Touristen eh alle mindestens für einen Monat in Schöneberg ins Exil schicken, damit sie mal mitbekommen, gegen wen sie überhaupt antreten: Schöneberg hat eine der längsten Nachtlebentraditionen der Stadt. Darauf einen Moscow Mule!

Text: Jenni Zylka

Foto: Sarah Heuser / HiPi

Goldstück Winterfeldtstraße 17, Schöneberg, Tel. 0176/23 15 14 91, Di-So 17-2 Uhr

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