Ausstellungen

Gorki-Chefin Shermin Langhoff im Gespräch

shermin_haus_0861_c_EsraRotthoffShermin Langhoff, wie geht es Ihnen kurz vor der Eröffnung des Gorki Theaters??
Erstaunlich gut. Wenn ich wie neulich Kollegen auf einem Empfang treffe, werde ich verwundert gefragt: Du gehst noch aus? Aber die Vorbereitungen laufen, ich mache meinen Job und bin bester Dinge. Klar bin ich aufgeregt. Aber ängstlich gar nicht. 

Vom kleinen Ballhaus Naunynstraße ans Staatstheater – ein ziemlicher Sprung. Was ist die größte Herausforderung?
Sicher ein bisschen weniger Flexibilität. Was auch wieder positive Seiten hat, weil es eine andere Planungssicherheit generiert. Am Ballhaus mussten wir nicht unbedingt zwei Monate vorher wissen, welche Techniker wir zu welcher Zeit wo brauchen. Aber die größte Herausforderung war natürlich, mit wenig Vorlauf Künstler für die erste Spielzeit zu verpflichten. Der eine oder andere ist ja gerne mal für zwei Jahre im Voraus ausgebucht. Dank der Netzwerke von Jens Hillje und mir konnten wir spannende Kolleginnen und Kollegen wie Yael Ronen, Nurkan Erpulat und Sebastian Nübling sehr kurzfristig gewinnen, was mich wahnsinnig freut. In der zweiten Spielzeit werden dann noch andere Handschriften dazukommen.

Weiterlesen: Mit dem Beginn der Intendanz von Shermin Langhoff und Jens Hillje erfindet sich das Maxim Gorki Theater neu

Wie sehr fühlen Sie sich schon als Intendantin??
Die Bezeichnung kann ich jedenfalls nicht mehr ablehnen, anders als zu Ballhaus-Zeiten (lacht). Aber zu wichtig sollte man Titel nicht nehmen. Was ich sagen muss: Es ist mir tatsächlich schwergefallen, das Ballhaus zu verlassen. Ich war sehr verliebt in diesen Raum mit seiner wechselvollen Historie. Aber genauso bin ich jetzt ins Gorki verliebt, das ja erst recht spannende Geschichte atmet. Wenn wir an die erste preußische Nationalversammlung 1848 denken oder daran, dass hier Felix Mendelssohn die Matthäus-Passion hundert Jahre nach ihrem Entstehen dirigiert hat. 

Was kann jetzt noch schiefgehen?
Oh, damit ist nicht zu spaßen! Ich bin nicht abergläubisch. Aber wir haben die Horrornachricht noch im Ohr, dass die Kollegin Karin Beier in Hamburg ihre Eröffnung verschieben muss, weil Riesengewichte auf die Bühne gekracht sind, Gott sei Dank, ohne dass Menschen zu Schaden gekommen wären. Am Ende machen wir nur Theater, alle sollen bitte auf ihre Gesundheit achten. Ansonsten entscheidet sich bekanntlich oft erst in den letzten Tagen vor einer Premiere, ob etwas gelingt oder nicht. Wir tun jedenfalls unser Möglichstes!

Interview: Patrick Wildermann

Foto: Esra Rotthoff

Mehr über Cookies erfahren