Ausstellungen

„Graffyard“ von Sweza

swezaSie ist nicht für die Ewigkeit gemacht, doch genau das macht einen Teil ihres Reizes aus: Streetart ist vergänglich. Unter freiem Himmel ist sie Wetter, Verfall und Abriss schonungslos ausgesetzt. Hier setzt der Berliner Künstler Sweza mit seinem Projekt „Graffyard“ an. Auf seinen Streifzügen durch die Stadt fotografiert er Werke, die schon bald verschwunden sein werden, und versieht sie mit einer Fliese, auf der sich ein QR-Code befindet.

QR-Codes sind 2D-Barcodes, die mit einem Smartphone abfotografiert und von einer App verarbeitet werden, woraufhin bestimmte Informationen abgerufen werden können. Sweza bringt diese Technologie nun auf ein ganz neues Level. Wird einer von seinen ­QR-Codes abfotografiert, erscheint ein jetzt verwittertes, übermaltes oder schon längst verschwundenes Kunstwerk auf dem Display so, wie es einmal aussah. Ganze Zeitleisten mit verschiedenen Stadien des Werkes können abgerufen werden.

sweza„Ich fand es schade, dass QR-Codes nur in der Werbung genutzt werden“, sagt der Mitte-30-Jährige. „Graffyard ist wie eine Zeitreise, dank der QR-Codes wird das Archiv Teil des Kunstwerks.“ Es ist ein Spiel mit Zeit und Raum, das im Internet bereits großen Anklang findet. Über seinen Erfolg ist Sweza selbst am meisten überrascht. „Von einem Tag auf den anderen hatte ich über 18.000 Klicks auf meiner Website!“ In der modernen Technologie sieht er viele Möglichkeiten: „Ich möchte die virtuelle mit der realen Welt kombinieren, der Betrachter soll selbst aktiv werden.“

Auch seine neuste Idee arbeitet mit QR-Codes. An den Häuserwänden von Neukölln und Kreuzberg finden sich seine „QRadios“, aufgeklebte Oldschool-Ghettoblaster, auf denen sich anstelle der Kassette ein QR-Code befindet. Wird dieser abfotografiert, gelangt man zu einem privaten YouTube-Video, das eine Kassette abspielt und die Tracks von befreundeten Musikern vorstellt.

Der Betrachter wird so Teil einer geheimen Community. Sich unter dem Video zu verewigen gleicht einem „Ich war hier“, das man früher noch in Bäume zu schnitzen pflegte.

Text: Gesa Neitzel

Fotos: Sweza 2011

www.sweza.com

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