Architektur

Hans Scharoun und Frank Gehry im Max-Liebermann Haus

Transatlantische Parallelen zwischen v

J. Paul Getty Trust

Hans Scharouns expressionistische Berliner Philharmonie beeinflusste Frank Gehrys weltweiten Dekonstruktivismus, so die These der Architektur Ausstellung „Strong Resonances“. Anders gesagt: Nur weil es Scharoun 1963 so sensationell gelang, einem Konzerthaus Flügel statt Säulen zu geben, war es den nachfolgenden Gehrys der Architekturwelt überhaupt erst möglich, ihre Kulturbauten wie bewegte Skulpturen anzulegen.
Dieser These muss man auch nach dem Besuch der Ausstellung, eine Zusammenarbeit des Getty Research Institute mit der Stiftung Brandenburger Tor, nicht eins zu eins folgen. Allerdings stellen die hier ausgestellten Zeichnungen, Skizzen, Modelle und Aquarelle der beiden Architekten diese Idee auf eine solide Grundlage. Die beiden bekanntesten Gebäude, Philharmonie (1963) und Walt Disney Concert Hall in L.A. (2003), werden auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede abgeklopft. So bekommt man eine Vorstellung davon, dass Scharouns Bruch mit der Tradition des klassischen Theaterbaus und der Schaffung eines stadtweiten Wahrzeichens einen ambitionierten jungen Architekten wie Gehry nicht unbeeindruckt gelassen hat. Und so erst den Weg für ähnlich stadtverändernde Ensembles freigemacht hat, Stichwort Guggenheim Bilbao (1993–97).

Jedoch nicht in Berlin, dort war der Weg für Gehrys gebrochene Geometrien und schuppenförmige Überdachungen 1994 bei seinem großen Entwurf für die Neugestaltung der Museumsinsel komplett versperrt. Denkmalschützer und große Teile der Presse hatten sich eindeutig zu Ungunsten der „Eventarchitektur“ aus Kalifornien positioniert, auch eine Überarbeitung war nicht durchzubekommen. In der Ausstellung ist jetzt ein großes Modell dazu zu sehen, das zu Spekulationen einlädt, wie so eine Gehry-Museumsinsel heute aussehen würde. Oder ob Berlins kultureller Herzkammer die heute vorherherrschende Chipperfieldsche Gediegenheit an gleicher Stelle nicht doch gerechter geworden is.

Max Liebermann Haus Pariser Platz 7, Mitte, Mo, Mi–Fr 10–18, Sa+So 11–18 Uhr, bis 20.1. 2019

Mehr über Cookies erfahren